Memorandum für eine wirkliche Autonomie für das tibetische Volk (einschließlich Dorje Shugden Praktizierender?)

Memorandum für eine wirkliche Autonomie für das tibetische Volk (einschließlich Dorje Shugden Praktizierender?)

Ein vor kurzem veröffentlichtes Memorandum der tibetischen Exilregierung beinhaltet theoretisch viel Empfehlenswertes. Es erschien vor einem kürzlichen Treffen über Tibet in Dharamsala. In der Praxis stolpert es aber über den Abschnitt „Religion“, wo die tibetische Exilregierung die Chinesen um etwas bittet, das sie und der 14. Dalai Lama selbst nicht geben wollen:

Religion

„Religion ist grundlegend für die Tibeter und der Buddhismus ist mit ihrer Identität eng verbunden. Wir erkennen die Wichtigkeit der Trennung von Religion und Staat, aber dies sollte die Freiheit und Praxis der Gläubigen nicht beeinträchtigen Es ist unmöglich für Tibeter, sich eine persönliche Freiheit oder Freiheit des Volkes vorzustellen, ohne die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und der Religion. Die Verfassung erkennt die Wichtigkeit der Religion an und beschützt das Recht auf ihre Ausübung. Artikel 36 garantiert allen Bürgern das Recht auf Glaubensfreiheit. Niemand darf einen anderen dazu zwingen an eine Religion zu glauben oder nicht zu glauben. Diskriminierung aus religiösen Gründen ist verboten.“

Wenn jedem wirklich „die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und der Religion“ zugestanden würde, wäre es vielleicht möglich, sich wieder „persönliche Freiheit und Freiheit des Volkes“ vorzustellen, sowohl für alle Exiltibeter als auch in Tibet selbst, ganz im Gegensatz zu der Spaltung und Unterdrückung, die durch das unrechtmäßige Verbot der Dorje Shugden Praxis und ihre Verfolgung verursacht wurde (wodurch Artikel 36 der tibetischen Verfassung verletzt wird).

Wie kann die erzwungene Unterschriftenkampagne dem Ideal entsprechen „Niemand darf einen anderen dazu zwingen an eine Religion zu glauben oder nicht zu glauben. Diskriminierung aus religiösen Gründen ist verboten“?

Es ist wirklich schwer zu verstehen, wie die Exilregierung es rechtfertigen kann, solch noble Worte zu verkünden, wenn ihre Handlungen genau in die Gegenrichtung gehen, fort von „Glaubensfreiheit“ und hin zu „Diskriminierung aus religiösen Gründen“?

Auch diese Stellungnahme im Memorandum ist vielsagend und erscheint ironisch:

Wir erkennen die Wichtigkeit der Trennung von Religion und Staat, aber dies sollte die Freiheit und Praxis der Gläubigen nicht beeinträchtigen.“

Die Tatsache, dass Kirche und Staat in der Exilgemeinde nicht getrennt sind, ist genau die Ursache für die „Beeinträchtigung von Glaubensfreiheit und Praxis“. Dieser Verfassungsverstoß gegen die Religionsfreiheit wäre nie geschehen, wenn der Dalai Lama nicht sowohl ein religiöser als auch politischer Führer wäre.

Eine patriotische tibetische Frau, die keine Shugden-Verehrerin ist, kommentierte in ihrem Blog zum kürzlichen Treffen in Dharamsala in He has Got It Wrong Hier sind einige Auszüge:

„Dieses Treffen hätte sowohl sehr besonders als auch historisch sein können, wenn wir den beherzten und schmerzhaften Schritt getan hätten, der aus meiner Sicht unvermeidbar ist: dem Dalai Lama zu gestatten, sich in den religiösen Bereich zurückzuziehen und die Bühne frei zu machen für die Trennung von Staat und Religion.

Wir alle wissen, dass der Buddhismus nicht beansprucht, die Probleme der Welt lösen zu können Aber dennoch erwarten wir vom Dalai Lama, dass er unsere politischen Probleme löst Wir haben sogar einen weiteren Lama, Samdong Tulku, als Premierminister gewählt Aber weil wir religiöse Führer haben die politische Arbeit machen, haben wir uns auch Grenzen gesetzt in unserem Einsatz für die Freiheit unseres Landes, was in Wirklichkeit ein weltliches Problem ist.

Es gab spezifische historische Ereignisse, die vor 500 Jahren zu der Entstehung einer theokratischen Regierungsform in Tibet geführt haben. Aber während der letzten 50 Jahre, als äußere Kräfte uns zwangen, uns der modernen Welt anzuschließen, wurde die geopolitische Situation so komplex und die Anforderungen an eine Regierung so überwältigend, dass sie ein Mann an der Spitze alleine nicht erfüllen kann.

In unseren Herzen wissen wir, dass weltlichen Problemen mit weltlichen Mitteln von weltlichen Menschen begegnet werden sollte. Als Konsequenz sollten wir unsere Lamas an ihre Klöster zurückkehren lassen, wo sie ihre Rollen als spirituelle Lehrer erfüllen. Dies wird den Weg für fähige Laien freimachen, für Männer und Frauen, sich den Aufgaben zu stellen; und schließlich wird aus ihrer Mitte heraus ein neuer Führer entstehen, der uns einigen und in unserem Einsatz für Freiheit und Gerechtigkeit führen kann.

Diesen Monat haben wir in Dharamsala die Gelegenheit verpasst, diesen Schritt zu gehen. Dass hätte dieses Treffen nicht nur besonders sondern wahrhaft historisch gemacht.“

Ein weiterer lesenswerter Artikel, der einen Einblick in die politische Welt der Exiltibeter und ihren noch sehr jungen demokratischen Lernprozess gibt, findet sich hier: „Evil spirit puts tibetan democracy to test“ (Englisch)

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