Die Vermischung von Religion und Politik in der tibetischen Gesellschaft und warum dies die Ursache für den Konflikt um Dorje Shugden ist

Die Vermischung von Religion und Politik in der tibetischen Gesellschaft und warum dies die Ursache für den Konflikt um Dorje Shugden ist

Die modernen westlichen Formen der Demokratie sind aus der Trennung von Staat und Religion entstanden und sie gewährleisten, dass Individuen der Religion ihrer Wahl folgen können, auch wenn diese nicht die Religion des jeweiligen Staatsoberhauptes ist. Europa hat über Jahrhunderte Verfolgungen und Zwangsmissionierungen erlebt, wann immer ein politischer Herrscher gleichzeitig ein göttliches Oberhaupt sein wollte und religiöse Gefolgschaft von seinen Untertanen gefordert hat.

Heutzutage können wir uns sehr glücklich schätzen, dass die buddhistische Lehre in Europa frei ausgeübt werden kann und sogar unter dem Schutz des Staates steht. Leider gibt es diese Freiheit ausgerechnet für viele Tibeter im indischen Exil nicht. Die Verehrer der buddhistischen Gottheit Dorje Shugden werden vom Dalai Lama unterdrückt und verfolgt. Und warum? Der einzige Grund ist, dass sie nicht der religiösen Überzeugung des politischen Führers – des Dalai Lama – folgen wollen. Der Dalai Lama lehnt die Praxis von Dorje Shugden ab, aber darf ihm dies das Recht geben, seinem gesamten Volk seine religiösen Ideen aufzuzwingen? Gerade er, der so viel von Toleranz redet, duldet Andersdenkende in seiner eigenen Gemeinschaft nicht.

Die Folgen der unheilvollen Verquickung von tibetischer Religion und Politik gehen so weit, dass selbst westliche Anhänger des Dalai Lamas beginnen die Grundrechte der Religionsfreiheit zu vergessen und seit Jahren ein aggressives Verhalten gegenüber Dorje Shugden Verehrern zeigen. Angestachelt vom 1996 ausgesprochenen Verbot der Dorje Shugden Praxis unter den Exiltibetern, werden westliche buddhistische Gruppen, die Dorje Shugden verehren, denunziert und ausgegrenzt, weil sie „gegen den Dalai Lama sind“. Wenn dieser Logik gefolgt wird, dass z.B. deutsche Buddhisten dem Glauben des tibetischen Königs folgen sollten, dann müsste auch gefordert werden, dass Exiltibeter dem Glauben von Angela Merkel folgen müssen.

Westliche Buddhisten haben das Recht und die Freiheit – und dies ist in vollkommener Übereinstimmung mit Buddhas Unterweisungen – dem Lehrer und der Tradition ihrer Wahl zu folgen, auch wenn dies nicht die Tradition eines bestimmten politischen Führers ist.

Die Aktionsbündnisse der Dorje Shugden Verehrer sind entstanden, um an diesen Punkt zu erinnern und um Religionsfreiheit für Dorje Shugden Praktizierende im Einflußbereich des Dalai Lama zu erreichen.

Ein ausführlicher Artikel zu diesem Thema ist „Was würde Thomas Jefferson über den 14. Dalai Lama denken?“ von  Dr. Lars English, Ph.D. Dickinson College, Carlisle, PA 17013, USA

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