Der Mungo-Eckzahn-Brief an den Dalai Lama

Hier ein Stück echter Aufklärung für uns naive Menschen im Westen: Dieser Brief enthüllt die Sicht vieler Tibeter auf den Dalai Lama und spiegelt die verzweifelte Situation der Exiltibeter wider.  Obwohl er bereits Mitte der Neunziger in der exiltibetischen Gesellschaft zirkulierte, ist er leider noch immer aktuell. Also: Wer Augen hat, der lese!

(Dieser anonyme Brief wurde einer Engländerin, die jetzt in Italien lebt, überreicht, als sie im September 1995 durch Nepal reiste. Ein Großteil dieser Informationen ist innerhalb der tibetischen Gemeinschaft in Indien und Nepal weit verbreitet.)

Dies ist ein Brief, der der “Mungo-Eckzahn”-Brief genannt wird und an S.H. Dalai Lama gesandt wurde

Eure Heiligkeit, 1959 fiel die kommunistische chinesische Armee in Ihr Land ein. Sie und etwa 90.000 Tibeter mussten nach Indien, Nepal und Bhutan fliehen. Zu jener Zeit fingen Sie an, die Hauptverantwortung für Tibet zu übernehmen. Wenn wir das, was von damals bis heute geschah, betrachten, dann haben die tibetischen Flüchtlinge Hilfe vom Roten Kreuz und Indien erhalten. Ihnen wurde Land gegeben, um sich sesshaft zu machen. Die Tibeter haben überlebt und es ist ihnen gelungen, gut dran zu sein und ein angenehmes Leben zu haben.

Eure Heiligkeit, Sie sind derjenige, der die Exilregierung errichtete. Daher möchte ich erwähnen, was unter Ihrer Herrschaft geschehen ist:

1. Das Problem mit Dujom Rinpoche (dem spirituellen Oberhaupt der Nyingma- Tradition), das durch die Eifersucht Ihrer Regierung verursacht wurde: Ihre Regierung brachte die indische Regierung dazu, Dujom Rinpoche zu bezichtigen ein chinesischer Spion zu sein und ihn in Siliguri 1963 festnehmen zu lassen, nachdem er eine beeindruckende religiöse Unterweisung in Kalimpong gegeben hatte.

2. Das Problem der dreizehn tibetischen Gemeinden, die sich gegen Ihre Exilregierung vereint hatten: In Verbindung mit den Ereignissen um Dujom Rinpoche und andere, haben sich die dreizehn tibetischen Gemeinden gegen Ihre Exilregierung in Dharamsala von 1964 bis 1981 vereint.

3. Das Problem, dass Ihre Regierung die tibetischen Guerillakämpfer in Mustang gespalten hat. Tatsächlich wurden sie ursprünglich von Ihrer Regierung mit Hilfe des CIA organisiert. 1969 haben Sie als Konsequenz von Nixons Chinapolitik eine Auseinandersetzung um Waffen unter den tibetischen Guerillas provoziert. Diese Auseinandersetzung hat sie schließlich zerstört.

4. Das Problem mit Herrn Alo Choedzoe in Verbindung mit Ihrem Wirtschaftsminister. Ihre Regierung hat die Fabrik von Herrn Choedzoe betrogen.

5. Das Problem, dass Ihre Regierung Gongtang Tsultrim 1975 umgebracht hat. Er war der Anführer der dreizehn Gruppen.

6. Das Problem bezüglich des verstorbenen Gyalwa Karmapa Rigpay Dorje (dem spirituellen Oberhaupt der Kagyu-Tradition) aufgrund seines Einflusses und den Umstand, dass ihn die dreizehn Gruppen als ihr spirituelles Oberhaupt ernannt hatten.

7. Das Problem bezüglich des Missverständnisses zwischen Ihnen und Ihrem Lehrer Yongzin Trijang Rinpoche (einer der hauptsächlichen spirituellen Meister der Gelug-Tradition) aufgrund der Verleumdungen Ihres Bruders.

8. Das Problem mit der Tibetisch-Mongolischen Vereinigung in Taiwan. Sie haben Geld gemacht, indem Sie Ihren Bruder Dondrub nach Taiwan geschickt haben, wo er dann mit Taiwan, Pakistan und Burma mit Waffen gehandelt hat. Aufgrund der Gefahr, dass diese Informationen an die Öffentlichkeit gelangen, haben Sie behauptet, dass Taiwan in der Tibet-Frage auf Seiten Chinas stände. Um Tibeter davon abzuhalten nach Taiwan zu gehen, haben Sie daher jeden, der nach Taiwan reiste, selbst wenn sie nur privaten Geschäften nachgingen, beschuldigt, sich auf die Seite Chinas zu stellen.

9. Das Problem mit Kunzang Lama, der die Fehler in Ihrer Regierung aufgezeigt hat. 1989 fand Herr Kunzang Lama heraus, dass Ihre Regierung große Geldsummen von der Tibetisch-Mongolischen Vereinigung in Taiwan erhalten hatte, und aus diesem Grund hat er Ihre Regierung angeklagt.

10. Das gegenwärtige Problem in der Sache der Karmapa-Wiedergeburt. Sie stützen den vom kommunistischen China festgelegten Kandidaten; dies verursacht ungeheuren Schaden in der tibetischen Politik.

11. Das Problem mit der Chu Shi Gang Druk [Khampa-Organisation der ‘Vier Flüsse, Sechs Berge’], die einen anderen Weg für die Zukunft Osttibets aufzeichnete. Sie haben ein geheimes Abkommen mit dem kommunistischen China geschlossen und ihm das Kham-Gebiet zugunsten persönlicher Vorteile angeboten. Chu Shi Gang Druk fand dies heraus und das Ergebnis sind anhaltende, schwere Kämpfe gewesen.

Während der letzten vierzig Jahre hat Ihre Exilregierung nonstop Probleme erschaffen. Was Sie angeht, Eure Heiligkeit, was haben Sie während dieser Zeit getan? Sie haben Ihr eigenes tibetisches Volk als Ihre Feinde behandelt und, anstatt für tibetische Demokratie zu arbeiten, haben Sie sie als Ihre Hauptaufgabe gründlich herausgefordert. Wenn Sie sich darauf konzentriert hätten eine ordentliche Demokratie einzuführen und somit jede Sorge um den Schutz Ihrer eigenen Macht in Religion und Politik aufgegeben hätten, dann hätten diese Probleme nicht den Boden, auf dem sie wachsen. Und selbst wenn diese Probleme aufgetreten wären, dann wären sie nicht mit Ihrer Regierung in Verbindung gestanden und sie wären nicht immer wieder aufgetreten. Wie ist dies geschehen? Wenn Eure Heiligkeit wirklich versucht hätte wie Mahatma Gandhi zu sein, wie Sie selbst wiederholt erwähnt haben, dann wären alle diese Dinge die Probleme Ihrer Kinder und nicht Ihre, die des Vaters. Diese Probleme entstanden nicht aus den Bemühungen für die Freiheit Tibets zu arbeiten, sondern aus dem Versuch, Ihre eigene Macht zu beschützen.

An dieser Stelle möchte ich gerne ein wenig mehr kommentieren, was tatsächlich geschehen ist. Am Anfang hatte Ihre Heiligkeit gute Absichten. 1959 waren Sie jung und es war eine Zeit vieler, großer Leute wie Mahatma Gandhi, Johala Nehru, J.F. Kennedy. Eure Heiligkeit hatte eine schwere und schmerzhafte Zeit der Anführer Tibets zu sein, aber Sie waren auch dynamisch. Deshalb waren Sie in der Lage, die Macht Rotchinas herauszufordern. Sie hatten Freude daran, sich als Oberhaupt, als die Nummer Eins Tibets zu engagieren und zu widmen. Ihr Plan war, Tibet zu einem modernen und demokratischen Land zu machen, so wie viele andere Länder in der Welt. Dennoch blieben Sie orthodox und hielten an Ihrer Position als Boss über Religion fest.

Am Anfang haben Sie die hierarchischen Beamten, die sie aus Tibet begleitet haben, vertrieben. Das deshalb, weil es klar war, dass diejenigen, die solche Positionen innehaben, ihr Prestige nicht opfern könnten. Sie hätten Demokratie und Modernisierung nicht akzeptiert, sondern hätten sich jeglicher Reform widersetzt. Sie haben sich auch stark gegen die Wiedererrichtung des orthodoxen Systems der großen klösterlichen Einrichtungen mit Hunderten von Mönchen gewandt. Sie hatten jedoch keinen Erfolg, und was war die wirkliche Ursache dafür? Die Ursache ist die unsichtbare Krankheit, die immer noch da ist und die sich sofort entwickelt, sobald sie auf verschiedene Bedingungen trifft. Und was ist diese Krankheit? Es ist das Festhalten an Ihrer eigenen Macht. Es ist eine Tatsache, dass Sie selbst zu jener Zeit nicht in der Lage gewesen wären, es zu akzeptieren, wenn jemand Demokratie auf Sie angewendet hätte. Die Gewohnheit, der mächtige Boss des Potala-Palastes zu sein, erwachte und zeigte ihr hässliches Gesicht.

Betrachten Sie das Beispiel des großen Mahatma Gandhi, der seinem Land selbstlos diente und dem es gelang, eine reine Demokratie im großen Lande Indien zu errichten. Das Geheimnis hinter seinem Erfolg war, dass er von Anfang erkannte, dass man alle seine Bindungen und Verhaftungen an sein eigenes Leben und Wohlergehen gründlich durchtrennen muss. Wenn da immer noch auch nur etwas Eigeninteresse ist, kann es jederzeit ausbrechen und alles zerstören, so wie ein kleines Streichholz einen ganzen Wald niederbrennen lassen kann.

Betrachten Sie andererseits Stalin und den Vorsitzenden Mao. Sie wussten nicht, dass das Ego beseitigt werden muss, um der Nation richtig zu dienen. Als sie auf dem Höhepunkt ihrer Macht angelangt waren, waren sie derart um ihren Machterhalt besorgt, dass sie paranoide wurden. Um das, was sie als Gefahren ihrer Macht ansahen, zu beseitigen, mussten sie Menschen umbringen, die mit ihnen von Anfang an zusammengearbeitet haben. Dann mussten auch die Menschen, die von diesen Morden wussten, umgebracht werden. Und so ging es immer weiter, bis dass Hunderte, Tausende, wenn nicht Millionen Menschen umgebracht werden mussten.

Der Buddha sagte, dass man ‘richtige Sicht’, ‘richtige Meditation’ und ‘richtiges Verhalten’ benötigt. Um dem nachzukommen, muss man sich wahrhaftig verpflichten und sich selbst mit einem reinen Geist, mit dem Geist eines Bodhisattva widmen. Das Ergebnis der eigenen Arbeit, ob gut oder schlecht, ob religiös oder politisch, hängt vom Maß des eigenen Engagements ab. Eure Heiligkeit, Sie möchten ein großer Anführer sein, aber sie wissen nicht, dass es eines ‘politischen Bodhisattva-Gelübdes’ bedarf, um diesen Wunsch zu erfüllen. Sie sind stattdessen in den falschen ‘politischen Pfad der Ansammlung’ (tso.lam) eingetreten und dass hat Sie beständig auf einem falschen Pfad geführt. Sie glaubten, um ein großer Anführer zu sein, müssen Sie zuallererst Ihre eigene Stellung absichern, und wann immer irgendeine Opposition gegen Sie entstand, mussten Sie sich verteidigen – das ist ansteckend geworden.

Wenn ich über die Folgen Ihrer Arbeit spreche, dann rechne ich nicht die persönlichen Siege ein, die Sie Ihrem eigenen Ruhm zuliebe errungen haben. Ich rechne ein, wie viel Nutzen das tibetische Volk für seine zukünftigen Ziele gewonnen hat. Als Sie beispielsweise in den Sechzigern versucht haben, den Machteinfluss von großen Lamas wie Dujom Rinpoche und Karmapa loszuwerden, wurde die Nebenwirkung von vielen tibetischen Lamas gespürt und Sie haben bewirkt, dass sie sich zu einer Opposition zusammengeschlossen haben. Sie konnten es nicht auf die leichte Schulter nehmen und mussten etwas unternehmen, dass eine Spaltung innerhalb der tibetischen Gesellschaft provoziert hat. Desweiteren haben Sie, um Lamas herauszufordern, Religion für Ihr Ziel benutzt. Zu diesem Zweck mussten Sie den blinden Glauben des tibetischen Volkes entwickeln. Am Ende haben Sie die gleiche Aktivität angenommen, auf die Sie bei anderen Lamas als fehlerhaft hingewiesen haben. Zum Beispiel haben Sie mit der Politik öffentlicher Kalachakra-Einweihungen begonnen. Normalerweise wird die Kalachakra-Einweihung nicht in der Öffentlichkeit gegeben. Dann haben Sie begonnen, Sie ständig in großem Stil für Ihre Politik zu benutzen. Das Ergebnis ist, dass sich das tibetische Volk genau der gleichen schmutzigen und dreckigen Vermischung von Politik und Religion der Lamas zugewandt hat, die Sie zu früheren Zeiten so treffend kritisiert hatten. Die gegenwärtigen Ereignisse in Beziehung zur Kontroverse hinsichtlich der Karmapa-Reinkarnation ist solch ein Fall. Ihre Minister werden Ihnen gesagt haben, dass ein Karmapa, der sich in den Himalayas etabliert, den Namen und die Macht des Dalai Lama wie zuvor beeinträchtigen wird, da er in den Himalayas sehr populär ist. Wenn die tibetische Exilregierung des Dalai Lama wirklich für die Unabhängigkeit Tibets ist, für die Demokratie Tibets und für die Zivilisation Tibets, wie kann dann eine private Organisation wie die des Karmapa Ihre Regierung beeinträchtigen? Es gibt da keinen Bezug und keinen Belang. Oder haben sich die kommunistischen Chinesen ein zutiefst politisches Spiel erdacht, indem sie einen Karmapa in Tibet etablieren? Als Eure Heiligkeit der Dalai Lama dafür Ihre Unterstützung gegeben haben (d.h. den chinesischen Kandidaten unterstützt hat), wie schlimm wird das erst der Zukunft Tibets schaden? Sie denken, wenn Sie in diesem Leben schon nicht der Anführer der Tibeter in Tibet sein können, dann müssen Sie zumindest Ihre Position als Anführer Tibets in Indien behalten, indem Sie Dharma und Politik benutzen. Dafür nehmen Sie in Kauf, dass es egal ist, was nach Ihrem Leben mit der Zukunft Tibets geschieht, solange Sie jetzt Ihre Macht bewahren können. Das ist wirklich traurig.

Aus einem anderen Blickwinkel besehen. 1985/86 gingen der Nyingma Shingchong-Tulku vom Kloster Karok, Dzongnang-Tulku aus Clementown, Dehradun, und Herr Lingtsang Gyalsaw als Gäste der kommunistischen chinesischen Regierung nach Tibet. Zu dieser Zeit befahl Ihre Exilregierung uns Tibetern, gegen sie zu revoltieren, weil sie auf einer Seite mit den Chinesen stünden. Wir haben sie gründlich attackiert. Heute tun Situa und Gyaltsab Rinpoche alles hinsichtlich der Karmapa-Reinkarnation zugunsten der Politik des kommunistischen China. Statt sich ihnen zu widersetzen, gibt ihnen Eure Heiligkeit Ihre volle Unterstützung. Ist das nicht überraschend? Das ist es, was ich oben meinte, als ich erwähnte, dass Sie Ihrem eigenen Wohlergehen und Ihrer eigenen Macht immer den Vorrang geben, selbst auf Kosten der Zukunft Tibets. Ich versuche Ihnen nicht zu sagen, dass Sie sich um die zukünftigen Dalai Lamas als Anführer Tibets kümmern sollen. Ich sage Ihnen, dass Sie nicht für den zukünftigen Fortschritt und die Demokratie des tibetischen Volkes in Tibet arbeiten. Ich sage Ihnen auch, dass Sie äußerst unehrlich und scheinheilig sind.

Als Katok Shingchong Rinpoche und die anderen nach Tibet gingen und bekanntgaben, dass sie die autonome Region Kham von China bekommen werden, hat uns Ihre Exilregierung aufgetragen sie herauszufordern – wir haben es sehr gut getan. Heutzutage haben Sie selbst sowohl insgeheim als auch offen akzeptiert, dass die Autonome Region Tibet und Kham unter chinesischer Herrschaft sind. Wann immer Sie Bedenken haben, sei es wie früher gegenüber Katog Shingchong Tulku oder heutzutage gegen den Chu Shi Gang Druk, dann tun Sie dies allein für sich und einzig aus Eifersucht und um der Macht willen. Es ist sehr traurig. Heutzutage haben Sie die Kalachakra-Einweihung so viele Male gegeben, dass Sie die Tibeter zu Eseln gemacht haben. Sie können Sie zwingen hierhin und dorthin zu gehen, so wie Sie möchten. In Ihren Worten sagen Sie immer, dass Sie wie Gandhi sein wollen, aber in Ihren Handlungen sind Sie wie ein religiöser Fundamentalist, der religiösen Glauben für politische Zwecke missbraucht. Ihr Image ist das des Dalai Lama, Ihr Mund ist der Mahatma Gandhis und Ihr Herz ist wie das eines religiösen Diktators. Sie [sind] ein Betrüger und es ist sehr traurig, dass die Tibeter zusätzlich zu all dem Leiden, das sie bereits haben, einen Anführer wie Sie haben. Tibeter sind zu Fanatikern geworden. Sie sagen, dass der Name des Dalai Lama wichtiger ist als der Grundsatz Tibets. Sie haben Ihr Ziel erreicht. Kurzum, wenn jemand wie Herr Dawa Norbu, der sich völlig für die tibetische Politik und Gesellschaft engagiert, etwas sagt, das sehr wichtig für die tibetische Sache ist, aber seine Rede Ihre Macht beeinträchtigen könnte, dann schicken Sie insgeheim Ihre Männer, um die Allgemeinheit fanatischer Anhänger zum Protest zu ermutigen und um Falschinformationen zu verbreiten, etwa dass Herr Dawa Norbu gegen den Dalai Lama sei und so weiter. Gleichzeitig erscheinen Sie in der Öffentlichkeit und loben diesen Mann. Aufgrund dieses doppelten Spiels kann nicht eine engagierte Person erscheinen, die etwas zum Wohle Tibets tut. Sie sind bereits so selbstsicher, dass Sie die Kalachakra-Einweihung benutzen können, um alles wiederherzustellen, was Sie möglicherweise falsch gemacht haben; und es funktioniert tatsächlich, weil die Situation Tibets heutzutage auf blindem Glauben beruht und auf andauerndem Gerede.

Ich bitte Sie mit Tränen in den Augen: Bitte, wenn Sie das Gefühl haben wie Gandhi zu sein, dann wandeln Sie die tibetische Situation nicht nach Art der Kirchenherrschaft im Europa des 17. Jahrhunderts um.

Falsche Mordanschuldigungen gegen Dorje Shugden Verehrer werden seit 10 Jahren wiederholt

Falsche Mordanschuldigungen gegen Dorje Shugden Verehrer werden seit 10 Jahren wiederholt

Falsche Anschuldigungen

Am 5. Februar 1997 wurden der Direktor der Dialectic School in Dharamsala zusammen mit zwei Assistenten ermordet. Seit dieser Zeit werden falsche Anschuldigungen gegen Dorje Shugden Verehrer wiederholt. Es wurden niemals irgendwelche Beweise dafür gefunden, dass Dorje Shugden Verehrer für diese fürchterliche Tat verantwortlich waren, aber der Dalai Lama und die tibetische Exilregierung verbreiten immer noch diese falschen Informationen auf ihrer Website und in Schriften.

Diese Lügen immer noch zu wiederholen wird sie nicht zur Wahrheit machen. Wir werden diese Anschuldigungen hier nicht noch einmal präsentieren, dafür können Sie auf die Website des Dalai Lama schauen, wo es schreckliche Bilder des ermordeten Lobsang Gyatso gibt, zusammen mit den verleumderischen Anschuldigungen gegen Dorje Shugden Verehrer. Wir müssen allerdings diese Anschuldigungen hier thematisieren, denn sie werden immer noch als Vorwand für das Verbot der Dorje Shugden Praxis benutzt – trotzt der Tatsache, dass die indische Polizei bereits vor Jahren festgestellt hat, dass es keinerlei Beweise gegen Dorje Shugden Verehrer gibt.

Die Shugden Society in New Delhi hat stets jegliche Verwicklung in diese Morde zurückgewiesen. Sie hat diese Morde scharf verurteilt und aktiv mit der indischen Polizei kooperiert, um die Morde aufzuklären. Sehen sie dazu auch die Stellungnahme der Shugden Society [http://www.shugdensociety.info/historyEvents1997FR ]  Die indische Polizei hat festgestellt, dass kein Mitglied der Shugden Society in diese Morde verwickelt war.

Diese Tatsache wurde von der tibetischen Exilregierung ignoriert, die weiterhin die verleumderischen Anschuldigungen auf ihrer Website wiederholt und in den Medien verbreitet.

Weiterhin gab es Anschuldigungen, dass angeblich sechs Mörder von den Chinesen in Tibet versteckt werden, aber auch nach 10 Jahren an Nachforschungen gab es nicht den kleinsten Beweis dafür. Die Dorje Shugden Devotees Charitable and Religious Society in Delhi, die angeblich die Mörder unterstützt hat, fährt mit ihrer friedlichen und gewaltfreien Arbeit gegen die Unterdrückung durch den Dalai Lama fort und keines ihrer Mitglieder ist irgendwohin geflohen.

Auch Geshe Kelsang Gyatso, ein tibetischer Meditationsmeister und Dorje Shugden Verehrer, hat diese Morde stets verurteilt und darauf hingewiesen, dass es genügend andere Verdächtige für diese Morde gibt, als er in einem Artikel der Newsweek 1997 auf Vorwürfe von Robert Thurman antwortete, der in unverschämter Weise Dorje Shugden Verehrer als die „Taliban des Buddhismus“ bezeichnet hatte.

„Robert Thurman wird zitiert, dass er gesagt habe: „Ich glaube es gibt keine Zweifel, das Shugden hinter den Morden steckt.“ Natürlich ist das Töten von anderen Menschen sehr schlecht und ich verurteile diese schrecklichen Morde, aber wenn man den Brief liest, der als Mongoose Canine Letter bekannt ist und an S.H. den Dalai Lama adressiert ist, kann man sehr klar verstehen, dass S.H. der Dalai Lama viele Feinde hat, warum werden also nur Shugden Anhänger verdächtigt? Es ist sehr bedauerlich, dass Lobsang Gyatso, ein 70-jähriger Geshe, in diesen fürchterlichen Umständen sterben musste, anscheinend, weil S.H. der Dalai Lama viele Feinde hat.“ (Geshe Kelsang Gyatso in Newsweek 1997)

Viele Verdächtige

Es gab eine ganze Reihe von möglichen Verdächtigen, aber die wahren Schuldigen wurden niemals gefunden, was dem Dalai Lama in die Hände spielt. Denn auf diese Weise kann er weiterhin Dorje Shugden Verehrer beschuldigen, was bequem für seine politischen Ziele ist. Warum? Weil er die Welt auf diese Weise überzeugen kann, dass sie böse sind und sein Verbot der Praxis erscheint begründet. Tatsache ist, dass Dorje Shugden Verehrer niemals gewalttätige Handlungen ausgeführt haben. Sie sind friedliebende Buddhisten, die dem Pfad der Gewaltlosigkeit, der Liebe und des Mitgefühls folgen, wie es von Trijang Rinpoche – dem Lehrer des Dalai Lama – und anderen Meistern der Überlieferungslinie gelehrt wurde.

Wie im österreichischen buddhistischen Magazin „Ursache und Wirkung“ (Juli 2006, Seite 73) berichtet wurde, hatte Geshe Lobsang Gyatso nach den Aussagen eines seiner Schüler zahlreiche Morddrohungen erhalten.

Lobsang Gyatso war sehr scharfzüngig und hatte viele Personen und Gruppen angegriffen, die sich nicht hinter den Dalai Lama stellen wollten. Beispielsweise hatte der eigene Bruder des Dalai Lama ein Problem damit, dass der Dalai Lama den Anspruch auf ein freies Tibet aufgegeben hatte. Auch 1962, als der Dalai Lama versuchte, alle Schulen des tibetischen Buddhismus unter seiner Autorität zu vereinen, widersetzten sich die Dreizehn tibetischen Siedlungen und der 16. Karmapa diesem autokratischen Schritt. Der Dalai Lama hat viele Feinde und Lobsang Gyatso hat sie alle mit scharfen Worten angegriffen.

Gefälschte „Beweise“

Helmut Gassner, ein österreichischer Mönch, der 17 Jahre als Übersetzer für den Dalai Lama arbeitete, hat in einem Vortrag vor der Friedrich-Nauman-Stiftung in Hamburg, am 26. März 1999 über diese Morde gesprochen:

Der Direktor der Dialektikschule war bekannt für seine Schmähschriften, in denen er alles durch den Dreck zog, was nicht ganz auf dem Kurs der Exilregierung lag. Bedeutende Meister, die großen Klosteruniversitäten und auch die tibetische Guerilla waren auf seinem Menü. In einer seiner letzten Schriften schrieb er: „….diese Leute werden nicht aufhören, den Dalai Lama zu kritisieren, bis ihnen das Blut aus dem Fleisch fließt.“

Aufgrund der Art der Ermordung und der Demütigungen, denen die tibetische Guerilla-Organisation in den Jahren zuvor ausgesetzt worden war, hätte man vielleicht erwartet, dass der Täter eventuell auch dort gesucht worden wäre. Das war jedoch nicht zu erkennen, sondern schon einen Tag später wusste das Lokalblatt von Dharamsala, dass die Mörder sicher bei der Dordsche-Schugden-Gesellschaft in Delhi zu finden seien.

Wer immer diesen Mord ausgeführt hat, von der Exilregierung wurde die grausame Tat mit einem einzigen Ziel bis auf Blut und Knochen ausgeschlachtet:

Mit allen Mitteln versuchte man die Dordsche-Schugden-Gesellschaft in Delhi mit dem Mord zu belasten und die führenden Mönche hinter indische Gitter zu bringen. …

Im Schweizer Fernsehen (DRS, Sternstunde 25. Januar 1998) konnte ich dann Tashi Wangdu, meinen alten Freund und Minister der Exilregierung bewundern, wie er in einer Sendung über diesen Mord eines der Beweisstücke vor die Kamera hielt: Eine Morddrohung, hieß es im Kommentar, von den Dordsche-Schugden-Leuten in Delhi an den nun Ermordeten. Ich konnte es nicht lassen, das Video anzuhalten, die tibetischen Zeichen abzuschreiben und zu übersetzen. Es war keine Morddrohung, sondern lediglich ein frech geschriebener Brief mit Aufforderung zur Debatte, um die Meinungsverschiedenheiten beizulegen.

An diesem Punkt war ich überzeugt, dass hier ein falsches Spiel getrieben wurde, denn weshalb würde Tashi Wangdu sonst so weit gehen, eine gefälschte Morddrohung sogar vor die Kamera zu halten?

In seiner Mitteleilung „Lügt der Minister der Exilregierung“ sagte Helmut Gassner:

Als ich den Brief las, erkannte ich, dass es eine Bitte des Sekretärs der Shugden Society an den Abt Losang Gyatso war, die Verleumdung dieser Gottheit zu beenden, da es reichlich heilige Schriften zu diesem Thema gibt, die der Abt offenkundig nicht gelesen hat. Der wesentliche Punkt im dem Brief war die Bitte an den Abt nach Delhi zu kommen, um nachzuweisen, was Wahrheit und was Unwahrheit ist. Wenn der Abt zu beschämt sei, nach Delhi zu kommen, dann würde die Mitglieder der Shugden Society auch gerne nach Dharamsala kommen um die Wahrheit zu finden. Schließlich wurde der Abt gebeten einen Termin für ein Treffen zu nennen.

Gemäß dem tibetischen Minister heißt es in dem Brief: „Wir werden Dich wie eine Laus zerdrücken“.

Das Wort „Laus“ erscheint nur einmal in diesem Brief, in einer gebräuchlichen Redewendung, die wörtlich bedeutet: „Laus und Finger zu verifizieren, oder nachzuweisen“.

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Dies ist der tibetische Originaltext des Briefes der Shugden Society an den später ermordeten Abt Losang Gyatso.

Der tibetische Minister Tashi Wangdü sagte vor der Fernsehkamera:

„Vor dem Mord am Oberhaupt der Dialektikschule, hat er einen Drohbrief der Dorje Shugden Society erhalten. Tibeter zerdrücken Läuse zwischen den Fingernägeln, und so heißt es in diesem Brief: „Wenn Du nach Delhi kommst, werden wir Dich wie eine Laus zerdrücken.“

Der Polizeichef Prithvi Raj sagte ebenfalls vor der Kamera:

„Am Schauplatz des Mordes hat die Polizeit einen Brief von Chime Tsering, dem Präsidenten des Dorje Shugden Charitable Trust gefunden. Dies ist ein Drohbrief gegen den Abt und zeigt, dass die Mörder eine direkte Verbindung zu den Shugden-Leuten haben.“

Im Brief, der vor der Kamera gezeigt wurde und dessen Inhalt von der Shugden Society bestätigt wurde, heißt es:

„…es gibt hunderte von heiligen Schriften über dieses Thema. Du hast sie nicht angeschaut. Das ist bedauerlich.
Deshalb, anstatt grundlose, polemische Werke zu schreiben, komme nach Delhi, mit dem Ziel Fakten von Falschheiten zu unterscheiden.“ (wörtl. Laus und Finger nachzuweisen).

Diese Redewendung impliziert niemals eine gewalttätige Drohung. Die wörtliche Übersetzung jedes einzelnen Wortes, wie es im Brief verwendet wurde:

tibshig tang sormo ratrö jepa: „Laus und Finger nachweisen tun“

Im Tibetisch-Englisch Wörterbuch von Melvin C. Goldstein gibt es folgende Übersetzung für das Wort ratrö jepa: beweisen, nachweisen, bestätigen (to be proved, to be verified, to get attested to).

Die Schlussfolgerung ist deshalb, dass die tibetische Exilregierung eine absichtlich verzerrte Übersetzung dieses Briefes präsentierte.

Die immer noch wiederholten Verleumdungen aus offenkundig politischen Motiven durch den Dalai Lama sind einer der Gründe, warum die Mitglieder der Western Shugden Society dem Dalai Lama überall hin gefolgt sind und ihn aufgefordert haben: „Hör auf zu Lügen!“
Siehe auch: Does the Minister of the Tibetan Exile Government Lie? von Helmut Gassner [http://www.dorjeshugden.com/articles/HelmutGassner02.pdf]

Deutsches vollständiges Transkript der Veranstaltung vom 26. März 1999 der Friedrich-Naumann-Stiftung, Dalai Lama – Dordsche Schugden, Beitrag von Dipl.Ing. Helmut Gassner, Letzehof, A-6800 Feldkirch, [http://www.trimondi.de/med08.html]

„Gelehrte und Yogis – Bitte prüft!“ Berichte über Je Pabongkhapa und seine Schüler

Gelehrte und Yogis – Bitte prüft!

Ein vor kurzem gestarteter Blog präsentiert Zitate, Biografien und historisches Material zum Thema Dorje Shugden. Die Zeile „Gelehrte und Yogis – Bitte prüft!“ stammt aus den Schriften des großen Sakya Meisters Sachen Kunga Lodro. Er ermutigte die Gelehrten und Meditierenden seiner Zeit, sorgfältig die Frage zu untersuchen, ob Dorje Shugden ein Buddha ist. Da in den letzten Jahrzehnten insbesondere Je Pabongkhapa, einer der großen Meister der Überlieferungsline von Dorje Shugden, öffentlich kritisiert wurde, mag es hilfreich sein, mehr über ihn und seine Schüler zu erfahren.

Den neuen Blog finden Sie hier: Gelehrte und Yogis – Bitte prüft!

Dorje Shugden – Eine wiederentdeckte Geschichte

Im Verlauf der letzten 30 Jahre haben tibetische Politiker und und ihre Anhänger versucht die Geschichte des erleuchteten Dharma-Beschützers Dorje Shugden umzuschreiben. Sie haben versucht, ihn als weltliche Gottheit darzustellen, die erst seit kurzem bekannt ist und sogar als bösen Geist.

Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Dank der großartigen Arbeit von Trinlay Kalsang, einem Gelehrten des tibetischen Buddhismus, werden jetzt die historischen Tatsachen über Dorje Shugden in allen Details veröffentlicht. Er hat das Vermächtnis an Ritualen, historischen Werken und Kunst untersucht, das der Praxis von Dorje Shugden in den vergangenen Jahrhunderten gewidmet wurde.

Die Website von Trinlay Kalsang Dorje Shugden History wurde diese Woche gestartet. Einige hervorragende Artikel sind bereits veröffentlicht und eine lange Reihe weiterer ist angekündigt. Wir danken ihm für seine akribischen Untersuchungen und Übersetzungen der tibetischen Werke. Erst langsam wird wohl deutlich werden, in welch ungeheuerlichem Ausmaß Dorje Shugden und seine Verehrer in den letzten 30 Jahren falschen Anschuldigen ausgesetzt waren. Insbesondere gab es eine Reihe von akademischen Veröffentlichungen, die zahlreiche, unkorrekte historische Informationen enthalten und ein negatives Bild der Gottheit Dorje Shugden in der Öffentlichkeit verschuldet haben. Darunter The Shuk-den Affair von George Deyfus und Prof. Michael v. Brücks Aufsatz Die Kontroverse um Shugden.

Die Website von Trinlay Kalsang www.dorjeshugdenhistory.org ist gegenwärtig nur auf Englisch zu lesen, aber wir hoffen, dass es bald eine deutsche Übersetzung geben wird und wir versuchen zumindest Teile seiner Arbeit hier in diesem Blog auf Deutsch zu veröffentlichen.

Aus der Einleitung:
Dorje Shugden is a protector deity (srung ma) that came to be propitiated principally by the Sakya and Gelug sects starting in the 17th and 18th centuries. Since that time, a legacy of rituals, historical works and art have been dedicated to the practice of this deity. Although there are many texts that reveal the gradual development of the system of ritual for this deity, much of this has not been brought out in the open for examination. Examination of the important details from these texts is necessary to reconstruct a more complete history, as the history presented thus far by scholars has been partial in order to paint particular constructions that concur with events in the 20th century.

Ein Plädoyer für den Mittleren Weg – Eine buddhistische Perspektive zu Nichtsektierertum

Ein Plädoyer für den Mittleren Weg


Ein tiefgründiger Artikel von Michael-James B. Weaver, der aus philosophischer Sicht erklärt, wie Religionsfreiheit erreicht und bewahrt werden kann und den Standpunkt des tibetischen Meditationsmeisters Geshe Kelsang Gyatso zu diesem Thema untersucht. Er zeigt, wie die Einstellung zu unserem eigenen spirituellen Pfad religiöse Freiheit unterstützen oder behindern kann und kann helfen, dass wir für uns den mittleren Weg auf unserem Pfad finden. Am Ende des Artikels gibt es Erklärungen einiger Fremdwörter.

Wir können uns an der aufrichtigen spirituellen Praxis anderer erfreuen, auch wenn ihr Glauben nicht mit unserem eigenen übereinstimmt. Auf diese Weise ist die zufriedene Praxis der eigenen Tradition der mittlere Weg zwischen Sektierertum und Eklektizismus.

Ein Plädoyer für den Mittleren Weg –
Eine buddhistische Perspektive zu Nichtsektierertum

Die Stärken des Agnostizismus – Toleranz und Offenheit, Fortlaufendes Hinterfragen und Akzeptanz der Ungewissheit – erweisen sich als seine Schwächen. Denn Menschen können sich nicht den Luxus leisten für immer ambivalent zu bleiben. Wir werden immer wieder mit Herausforderungen konfrontiert in denen wir einen Standpunkt beziehen müssen, uns verpflichten müssen oder und unsere Werte verteidigen. Wir müssen hinderliche Zweifel beiseite lassen und uns entscheiden, entweder in der einen oder der anderen Weise zu handeln. Wir müssen bereit sein, eine Reihe von Sprüngen ins Ungewisse zu wagen. – Stephen Batchelor in „Buddhism and Agnosticism“ 12. April 2006

Dies entspricht der gleichen Vorgehensweise, wie ich sie auf meiner Website Empty Mountains: the Two Truths of the Middle Way between Extremes beschrieben habe, und welche uns hilft, alle Unterweisungen Buddhas anhand des Modells des mittleren Weges zu verstehen, dem Prüfstein des buddhistischen Glaubens. Ich habe erkannt, dass es immer eine gemäßigte Position gibt, selbst zwischen den polarisierenden Extremen die gegenwärtig die religiöse Landschaft bestimmen. Sektierertum legt ganz offenkundig zu viel Betonung auf unsere Unterschiede, aber wenn wir wirklich die Vielfalt genießen wollen, dann müssen wir unsere Unterschiede genauso schätzen wollen wie unsere Gemeinsamkeiten. Ein authentischer religiöser Pluralismus würde beide respektieren, nicht nur die einen oder die anderen. Als ich schaute, wo genau sich Geshe Kelsang Gyatso in dieser Spannbreite präsentiert, war ich angenehm überrascht, herauszufinden, dass sein Standpunkt mehr zum mittleren Weg beiträgt als der typische heutige Durchschnitt. Ich habe den nachfolgenden Artikel geschrieben, damit wir besser verstehen können, wie uns Geshe-las tiefgründige Weisheit hilft sowohl Sektierertum als auch Eklektizismus aufzugeben.

Wenn wir einschätzen wollen, ob die Sichtweisen von jemandem sektiererisch oder nichtsektiererisch sind, ist das nicht einfach ein entweder-oder Szenario. Wir müssen uns hüten, solch ein schwarz-weiß Denken zu vermeiden. Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen bloßem Exklusivismus und Sektierertum, obwohl sie beide zum Ziel haben Tradition zu bewahren. Exklusivismus beinhaltet nicht zwangsläufig Sektierertum, denn während Sektierertum eine extreme Form des Exklusivismus ist, sind nicht alle Formen des Exklusivismus sektiererisch! Damit soll gesagt werden, sich ausschließlich auf die eigene religiöse Tradition zu konzentrieren ist nicht an und für sich sektiererisch. Am anderen Ende des Spektrums gibt es eine dubiose Form des Inklusivismus, die sich Eklektizismus* nennt (d.h. sich herauszupicken was man will, auch „mischen“ genannt) womit auch das Nichtsektierertum in ein Extrem getrieben wird.

Wenn es aber in der Tat sowohl gemäßigte als auch radikalere Ausdrucksformen von Exklusivismus und Inklusivismus gibt, wie können wir dann diese subtileren Unterscheidungen sichtbarer machen? Um zwischen ihren gesünderen und ungesünderen Formen zu unterscheiden, können wir die Worte gemäßigt bzw. extrem verwenden (siehe Tabelle). Sektierertum beispielsweise ist ein Zeichen von extremem Exklusivismus, während Eklektizismus ein Hinweis auf extremen Inklusivismus ist. Als extremistische Standpunkte kann keiner dieser beiden gut mit anderen Standpunkten zusammen leben. Der Ort an dem es Toleranz und Gleichheit gibt, ist aber der mittlere Weg:

Eklektizismus                       Religiöse Freiheit ____________Sektierertum


extremer                                 gemäßigter Inklusivismus               extremer
Inklusivismus                       gemäßigter Exklusivismus               Exklusivismus

Worum geht es bei diesem ganzen Gerede von Exklusivismus und Inklusivismus? Für viele Leute  wird jeder Hauch von Ausschließlichkeit bereits als Zeichen von Dogmatismus und religiöser Frömmelei gesehen, wie können wir also auch nur in Betracht ziehen, dass ein gemäßigter Exklusivismus in Harmonie mit Buddhas Unterweisungen ist? Einfach gesagt, gibt es immer zwei Extreme, die den mittleren Weg flankieren. In Anbetracht dessen, dass Sektierertum eines dieser Extreme ist, und falls Eklektizismus der mittlere Weg ist, was genau wäre dann das andere Extrem? Wie wir später sehen werden, gelingt es auch dem Eklektizismus nicht Religionsfreiheit zu beschützen, obwohl dies für westliche Ohren sehr ökumenisch klingt.

„Wir müssen unsere Traditionen nicht vermischen. Jede Tradition hat ihre eigenen außergewöhnlichen guten Qualitäten und es ist wichtig, diese nicht zu verlieren. Wir sollten uns auf unsere eigene Tradition konzentrieren und die guten Qualitäten unserer eigenen Tradition bewahren, aber wir sollten immer gute Beziehungen miteinander bewahren und niemals miteinander streiten oder uns gegenseitig kritisieren. Worum ich bitten möchte ist, dass wir unsere eigenen Traditionen verbessern, während wir gute Beziehungen miteinander bewahren. (Geshe Kelsang Gyatso, An Interview with Geshe Kelsang Gyatso, Tricycle: the Buddhist Review, No. 27, Spring 1998, p. 76)

Der mittlere Weg ist ein Pfad zwischen allen entgegengesetzten Extremen. In diesem Fall sind es die zwei Aspekte des mittleren Weges – nämlich gemäßigter Inklusivismus und gemäßigter Exklusivismus – welche Sektierertum bzw. Eklektizismus korrigieren (siehe obige Tabelle). Der gemäßigte Inklusivismus sagt, dass „Wahrheit vom Kontext abhängt“, während der gemäßigte Exklusivismus sagt, dass es „gültige und ungültige Wahlmöglichkeiten innerhalb eines gegebenen Kontextes gibt“. Zusammengenommen bilden der gemäßigte Inklusivismus und gemäßigte Exklusivismus eine ausgewogene Sicht, die uns sagt, „weil es viele Blickwinkel gibt, gibt es viele Wahrheiten, und jede von ihnen ist gültig oder nicht gültig, abhängig vom jeweiligen Kontext“. Wie unterscheidet sich dann der gemäßigte Exklusivismus vom extremen Exklusivismus, d.h. Sektierertum? Im Gegensatz zum extremen Exklusivisten hat der gemäßigte Exklusivist kein Interesse daran, die Glauben anderer Traditionen zu kritisieren; es genügt ihm, lediglich darzulegen, was innerhalb der eigenen Schule des Denkens relevant ist oder nicht, ohne den Glauben anderer zu verunglimpfen. Wie kann jemand ein Sektierer sein, wenn er niemals die Religion einer anderen Person bewertet?

Buddha sagte: ‚Ein Mann hat einen Glauben. Wenn er sagt „Dies ist mein Glauben“, folgt er so weit der Wahrheit. Aber damit kann er nicht zur absoluten Schlussfolgerung gelangen: „Dies ist die einzige Wahrheit und alles andere ist falsch.“ ‚ Mit anderen Worten, eine Person kann glauben was sie will und sie mag sagen „Ich glaube dies“. So weit respektiert sie Wahrheit. Aber aufgrund dieses  Glaubens sollte sie nicht sagen, dass ihr Glaube die einzige Wahrheit ist und alles andere falsch ist. (Walpola Sri Rahula, quoting Canki Sutta, What The Buddha Taught, 2nd ed., p. 10, © 1959, 1974)

Der gemäßigte Exklusivismus ist immer mit gemäßigtem Inklusivismus gepaart, was bedeutet, dass es niemals ein einziges, allumfassendes Paradigma des Wissens gibt, sondern ein Glaube macht nur in einem gewissen Kontext Sinn oder nicht, wobei jeder Blickwinkel seine eigenen Kriterien hat um Wahrheit festzulegen. Was unter einem Umstand angebracht ist, mag in anderen Umständen unangebracht sein; was aus einem Blickwinkel Sinn macht, macht aus einem anderen vielleicht keinen Sinn.

Einer der Lehrsätze des extremen Inklusivismus ist, dass es überhaupt nichts Absolutes gibt. Da der extreme Inklusivismus keinen Standard anerkennt, mittels dem Wahrheit festgelegt werden kann, werden alle Glaubensarten in jedem Kontext als gleichermaßen gültig angesehen. Damit wird quer durch alle alle Blickwinkel gesagt „Es ist alles eines“. Der Synkretist sagt, dass letztendlich alle Religionen zu einer einzigen endgültigen Wahrheit verschmelzen. Um dies zu illustrieren wird oft das Beispiel eines großen Juwels mit vielen Facetten gegeben, so dass das Juwel unabhängig vom Blickwinkel immer genau gleich aussieht. Ich denke, dies ist zu sehr vereinfacht, denn diese Analogie hält nicht Stand, wenn wir ein weniger homogenes Objekt verwenden. Wenn wir z.B. Fernsehen schauen, wird allgemein angenommen, dass die Sicht von vorne der beste Blickwinkel ist, um den Bildschirm zu sehen. Wenn jemand die Rückseite des Gerätes anschauen würde um sein Lieblingsprogramm zu sehen, würde er wohl als lächerlich betrachtet werden! Jetzt gibt es aber Zeiten, zu denen es Sinn macht, die Rückseite des Fernsehers zu betrachten. Zwei Beispiele sind, wenn wir die technischen Herstellerangaben des Gerätes finden wollen, oder Anschlußbuchsen für das Videogerät suchen. Was richtig oder falsch ist, hängt von der Situation ab. Anhand dieser zwei Beispiele können wir verstehen, dass das Beispiel des Juwels nicht anwendbar ist, um zu zeigen, dass es überhaupt nichts Absolutes gibt, weil „alles relativ ist“. Was wir brauchen ist ein mittlerer Weg zwischen dem Denken, dass es überhaupt nur eine absolute Perspektive gibt, aus der die Dinge verstanden werden können, und dem Verwischen von Grenzen zwischen verschiedenen Perspektiven, bis der Wert von Perspektiven an sich als wertlos betrachtet wird.

Wie auch der gemäßigte Inklusivist, nimmt auch der extreme Inklusivist an, dass Wahrheit vom Kontext abhängt, aber er wechselt ohne Unterscheidungen zwischen dem Kontext, vielleicht um zu vermeiden, irgendetwas „falsch“ nennen zu müssen. (Diese Vorgehensweise, sich nicht festlegen zu wollen, mag auch der Ursprung für den radikalen Skeptizismus des extremen Inklusivisten sein, da er sich niemals auf eine bestimmte Perspektive festlegt, sondern eine nach der anderen aufgibt, wahrscheinlich, um es zu vermeiden, irgendetwas „richtig“ nennen zu müssen.) Ebenso ignoriert der extreme Exklusivist durch das Festhalten an Gewissheit die Abhängigkeit von Kontext; und durch das Festhalten an Ungewissheit verfällt der extreme Inklusivist in eine Überanwendung der Abhängigkeit von Kontext. Damit soll gesagt werden, dass der extreme Inklusivist niemals lange an irgendeinem Blickwinkel festhält, ihn bereitwillig fallen lässt und einen anderen einnimmt, um niemals einen unpopulären Standpunkt einzunehmen. Aber wenn Wahrheit von Kontext abhängig ist, dann kann sich die Gültigkeit oder Ungültigkeit jener Wahrheit sehr wohl ändern, wenn sich der Kontext ändert. Dies ist die Einsicht der gemäßigten Exklusivisten und gemäßigten Inklusivisten, die einen unterschiedlichen Kontext unterscheiden, um die Gültigkeit von Wahrheit festzulegen und Bewertungen in entsprechender Weise vornehmen. Der extreme Inklusivist zieht bei solchen Untersuchungen die Stirn in Falten und betrachtet sie als „wertend“; das angestrebte Ideal ist hier, in höchstem Maße neutral zu bleiben. Solche Neutralität kann nur erreicht werden, indem jede Behauptung einer Wahrheit verneint wird, falls sie nicht einen alles-beinhaltenden Standpunkt hat. Letztendlich vergisst der extreme Inklusivist, dass es keinen allgemeingültigen Maßstab für die Wahrheit gibt, welches exakt die gleiche Sichtweise des extremen Exklusivisten ist, den er widerlegen will!

Da es keinen unabhängigen Standard für alle moralischen Sichtweisen gibt, oder mittels dem sie nach Prioritäten geordnet werden können, sind einige Philosophen zum Schluss gekommen, dass alle solchen Sichtweisen gleich sind. Wir haben aufgezeigt, was an diesem Argument falsch ist. Nachdem sie gesagt haben, dass es keinen gemeinsamen Maßstab gibt, mit dem alle Sichtweisen bewertet werden können, widersprechen sie sich sofort selbst, indem sie sagen, dass sie alle gleich sind – was natürlich ein mögliches Ergebnis einer Messung ist, von der sie nicht glauben, dass sie möglich ist. (D. Z. Phillips, Introducing Philosophy: the Challenge of Scepticism, pp. 181-182, © 1996)

Die Kriterien für einen Blickwinkel können nicht der Maßstab für die Wahrheit eines anderen Blickwinkels sein, da es der relevante Kontext ist, der als die Grundlage des Wissens dient und einer Wahrheitsbehauptung seine Gültigkeit und Bedeutung gibt. Jede Religion spricht mit ihrer eigenen Autorität, deshalb sollte der Glaube einer Person für sich akzeptiert werden und individuell verstanden werden, nicht etwa in Bezug auf irgendeinen äußeren Standpunkt. Der gemäßigte Exklusivist erkennt, dass die eigene Tradition selbstgenügsam ist, d.h. „in sich ganz oder vollständig“. Das liegt daran, dass jeder spirituelle Pfad seine eigene Gültigkeit hat, und sich deshalb aus dem eigenen Glauben herauszubewegen, um zu sehen, ob er gegenüber anderen Weltanschauungen standhält kann unberechtigt sein. In der vergleichenden Religion enthüllen Ähnlichkeiten oft unerwartete Parallelen, aber unüberbrückbare Unterschiede müssen ebenfalls berücksichtigt werden. Ironischerweise führt der Eklektizismus schließlich zu Sektierertum, da es das Mischen verschiedener Traditionen ist – indem die Kriterien für die Wahrheit ihrer individuellen  Perspektiven verwechselt werden – was Streitigkeiten fördert: Wessen Standard gilt, um festzulegen wer richtig und wer falsch ist? Bei dem Versuch, die unvermeidlichen Unterschiede zu überbrücken, muss es immer einen Verlierer geben…

Während wir unsere eigene Tradition schätzen, sollten wir alle anderen Traditionen schätzen und das Recht eines jeden einzelnen, der Tradition seiner Wahl zu folgen. Diese Vorgehensweise führt zu Harmonie und Toleranz. Es ist das Mischen verschiedener religiöser Traditionen, das zu Sektierertum führt. Darum wird gesagt, dass das Studieren nichtreligiöser Themen ein geringeres Hindernis für unseren spirituellen Fortschritt ist, als das Studieren von Religionen unterschiedlicher Traditionen. (Geshe Kelsang Gyatso, Den Geist Verstehen, S. 187)

Wenn sich zwei Leute nicht auf eine gemeinsame Referenzgrundlage einigen können, gibt es wirklich keine Basis für Vergleiche. In der Tat haben Individuen, die keine gemeinsame Grundlage teilen, keinen objektiven Standard, an den sie sich wenden können (außer ihrem eigenen!) und deshalb wird eine fortgesetzte Debatte sehr wahrscheinlich keinen Nutzen haben, und möglicherweise zu unnötigem Streit, zerbrochenen Beziehungen, religiöser Zurückweisung, Apartheid, Ausgrenzung und selbst offenem Konflikt führen. Es ist niemals richtig den Glauben von jemand anderem zu Bewerten, aber wir können der Richter dafür sein, was für uns richtig oder falsch ist. Während es angemessen ist, zu sagen: „ich glaube das nicht“, oder „dies ist nicht der richtige Ort für mich“, überschreitet man die Grenze, wenn man Fehler in der Religion einer anderen Person sucht und argumentiert: „Deren Glauben ist falsch!“, oder „Dein Glaube ist falsch!“ Es ist sehr wichtig, dass wir diesen subtilen Unterschied verstehen, da nur das Erstere Buddhas Verfügung gegen das Missionieren folgt (sei es jemanden zu „Meinem“ Glauben zu konvertieren, oder mittels Polemik den Glauben anderer zu beleidigen). Wenn sich jemand natürlich entschlossen hat, einer bestimmten Moral oder Lebensweise zu folgen, dann werden außen stehende Sichtweisen, die den eigenen widersprechen keine Optionen mehr für jemanden persönlich sein. Das liegt daran, weil gemäß der angenommenen Weltanschauung einige Glaubensarten anderer, für einen selbst nicht mehr zu rechtfertigen sind. Aber das gleiche gilt aus der Perspektive der anderen Person! Wenn es in beiden Richtungen funktioniert – wenn man übereinstimmen kann, nicht übereinzustimmen –  hat man eine wirkliche universale Toleranz und religiöse Freiheit, ohne die inneren Überzeugungen von jemanden beeinträchtigen zu müssen. Auf diese Weise ist es möglich, dass man sich an der aufrichtigen spirituellen Praxis anderer erfreuen kann, selbst wenn deren Glauben nicht mit dem eigenen übereinstimmt. Auf diese Weise ist das zufriedene Praktizieren der eigenen Tradition der mittlere Weg zwischen Sektierertum und Eklektizismus.

Jeder Lehrer und jede Tradition hat eine leicht andere Vorgehensweise und verwendet andere Methoden. Die Übungen, die von einem Lehrer vermittelt werden, werden sich von denen eines anderen Lehrers unterscheiden, und wenn wir versuchen, sie zu kombinieren, werden wir verwirrt, entwickeln Zweifel und verlieren die Orientierung. Wenn wir versuchen eine Synthese verschiedener Traditionen zu schaffen, werden wir die besondere Kraft jeder einzelnen zerstören und mit einem selbstgefertigten Mischmasch zurückbleiben, welches eine Quelle von Verwirrung und Zweifel ist. Wenn wir einmal unsere Tradition und unsere tägliche Praxis gewählt haben, sollten wir uns einsgerichtet darauf verlassen und niemals Unzufriedenheit entstehen lassen. (Geshe Kelsang Gyatso, Den Geist Verstehen, S. 187)

Es gibt Unterschiede zwischen Traditionen, weil jede ihren Ansatz hat Wahrheit zu finden, aber extremer Inklusivismus versucht diese Unterschiede zu beseitigen. Per Definition bringt uns der extreme Inklusivismus zu einem Punkt der Inklusivität (was auch das Ziel des gemäßigten Inklusivismus ist), aber als eine Form des Reduktionismus tut er das nur, indem er die aufrichtigen Unterschiede und Distanzen zwischen verschiedenen Leuten und Religionen ignoriert (welches nicht das Ziel des gemäßigten Inklusivismus ist). Um Harmonie zu bewahren müssen wir nicht jede Kluft überbrücken oder eine Einigung um jeden Preis erkaufen. Abgesehen davon wird etwas nicht zwangsläufig dadurch legitim, dass alle zu einer Einigung gebracht werden; Wahrheit ist nicht von Mehrheiten abhängig. Während man sagen kann, dass gemäßigter Inklusivismus und extremer Inklusivismus beide nichtsektiererisch sind, ist letzterer für die Erreichung dieses Zieles eher destruktiv. Oft als mittlerer Weg gepriesen, wird religiöser Eklektizismus (der leicht in Synkretismus abgleitet) als der einzige wahre Weg zu praktizieren angesehen und bedroht die Integrität der individuellen religiösen Traditionen (folglich auch die selbstbewusste Bewahrung der Grenzen des gemäßigten Exklusivismus). Der einzige Weg, verschiedene Traditionen zu einer einzigen zu integrieren, besteht darin die außergewöhnlichen guten Qualitäten, Werte und Prinzipien zu entfernen, die jeder ihre einzigartige Identität geben und für ihre Praktizierenden große Bedeutung haben. Dies geschieht insbesondere, wenn ein integraler Bestandteil einer Tradition als „unvereinbar“ mit anderen betrachtet wird, d.h. nicht im gemeinsamen Interesse. Von politischer Korrektheit getrieben, diktiert der monomanische Imperativ des Synkretismus, dass es keinen Raum für Meinungsverschiedenheit gibt. Auf diese Weise offenbart sich der extreme Inklusivismus selbst als ein sich selbst widerlegender Idealismus: er lobt sich selbst dafür, alle zu akzeptieren, aber in Wirklichkeit brütet er seine eigene Form des Absolutismus aus. Dies kann kaum eine Einstellung des mittleren Weges sein.

* Es sollte angemerkt werden, dass die meisten Formen des Eklektizismus empfehlenswert sind. Beispielsweise haben die meisten Menschen einen eklektischen Geschmack in ihrem Essen und ihrer Musik, sowie verschiedene Interessen in Literatur und Kunst. Auch Wissenschaft und Psychologie, Elemente von wetteifernden Theorien, werden oft verwendet um unterschiedliche Phänomene zu erklären. Im Gegensatz dazu sind die Weltreligionen nicht im Wettstreit miteinander – jede ist in ihrer Art vollkommen. Der religiöse Eklektizismus nimmt aber an, dass „keine“ Religion vollständig ist, sondern dass etwas fehlt, das von woanders her zugefügt werden muss. Der spirituelle Eklektiker behauptet auch, unterscheiden zu können, zwischen den Teilen einer jeden Religion, die gänzlich als unwichtig verworfen werden können. Die Realität ist, dass die Unterweisungen in jeder Religion eng miteinander verwoben sind, wie ein kunstvoller Teppich, und wenn man anfängt auch nur an einem Faden zu ziehen, der einem nicht gefällt, dann löst man den ganzen Teppich auf.

© 2007-2009 Michael-James B. Weaver

Begriffe:

Agnostizismus: „nicht wissen, unbekannt, unerkennbar“; bezeichnet die philosophische Ansicht, dass bestimmte Annahmen – insbesondere theologischer Art, welche die Existenz oder Nichtexistenz eines höheren Wesens wie beispielsweise eines Gottes betreffen – entweder ungeklärt, grundsätzlich nicht zu klären oder für das Leben irrelevant sind.

Eklektizismus:  („ausgewählt“) In den Geisteswissenschaften charakterisiert der Begriff die Methode, aus Versatzstücken unterschiedlicher Systeme, Theorien oder Weltanschauungen eine neue Einheit zu bilden.

Synkretịsmus: in der Philosophie die unkritische Übernahme von Denkansätzen und Lehren  (Eklektizismus) und ihre oft bestimmten Zeitgeistströmungen folgende Verschmelzung; in der Religionsgeschichte die Verschmelzung verschiedener Religionen beziehungsweise einzelner Elemente von ihnen.

Paradigma: „zeigen“, „begreiflich machen“;  bedeutet Beispiel, Muster, Vorbild, oder Abgrenzung, Vorurteil.

Die Geister des Dalai Lama

Die Geister des Dalai Lama

Einer der immer wieder vom Dalai Lama wiederholten Gründe für das Verbot der Praxis von Dorje Shugden ist, dass er behauptet, der tibetische Buddhismus würde zu einer Geisterverehrung degenerieren. Schauen wir uns die Fakten an:

Im tibetischen Buddhismus werden hunderte von Beschützergottheiten verehrt, viele davon sind nichtbuddhistischen Ursprungs, und insbesondere in den Klöstern, die eng mit dem Dalai Lama verbunden sind, wie dem Namgyal Kloster und dem Nechung Kloster, werden mehr Beschützergottheiten verehrt als in irgendeinem anderen Kloster. Der Dalai Lama selbst hat neue Gebete an diese Gottheiten verfasst und mindestens vier Tranceorakel werden vom Dalai Lama und der Exilregierung regelmäßig konsultiert. Solch ein starkes Verlassen auf Orakel gab es nicht einmal im alten Tibet.

Aus der Website der tibetischen Regierung ist zu erfahren, dass das Nechung Kloster das einzige Kloster im tibetischen Buddhismus ist, das gänzlich einem weltlichen Geist gewidmet ist. In ihm residiert das Staatsorakel Nechung, welches nach eigenen Aussagen des Dalai Lama ein weltliches Wesen ist und nicht etwa ein Buddha oder Bodhisattva. Der Kuten, d.h. die Person durch die Nechung in Trance spricht, hat den Rang eines Stellvertretenden Ministers der tibetischen Regierung inne. Das Staatsorakel wird in allen wichtigen Entscheidungen konsultiert.

Zusätzlich gibt es einen „Vize Staatsbeschützer“ Gadong, der auch ein Orakel hat, allerdings hat dieses Orakel schon lange nicht mehr gesprochen, und es gibt einige neue Orakel, die auf mysteriöse Weise aus Tibet gekommen zu sein scheinen und ohne jegliche Überprüfung als Assistenten des Staatsorakels eingesetzt wurden.

Obwohl der Dalai Lama behauptet, dass die Ratschläge des Staatsorakels „immer richtig gewesen seien“, weiß jeder, dass es eine lange Reihe von grotesken Fehlern in den Prophezeiungen Nechungs gibt. Eine seiner bekanntesten Vorhersagen war: „Ich werde 10 Milliarden göttliche Soldaten nach China senden und Tibets Freiheit wird im Jahr des Drachen (1988) erstrahlen“.

Ausgerechnet die Aussagen dieses Staatsorakels waren es nun aber, die den Dalai Lama Ende der 70er Jahre dazu bewogen, die Praxis von Dorje Shugden aufzugeben. Nechung behauptete, dass Dorje Shugden der Sache Tibets schade. Obwohl Nechung nach Berichten eifersüchtig auf Dorje Shugden war, schenkte der Dalai Lama der Kritik des Orakels mehr Glauben, als den Unterweisungen seines spirituellen Meisters. Der Dalai Lama sagte immer wieder, er habe die Sache Dorje Shugdens sorgfältigst überprüft, aber wenn man schaut, welches seine Methoden dieser Überprüfung waren, lässt sich außer den Aussagen des weltlichen Tranceorakels Nechung nichts vorweisen.

Nechung wurde vom Dalai Lama wiederholt über Dorje Shugden befragt und obwohl seine Aussagen voller logischer Widersprüche sind, verlässt sich der Dalai Lama darauf. Mal sagt Nechung, „Dorje Shugden ist zur Zeit des 5. Dalai Lama zerstört worden“, dann sagt er „Dorje Shugden ist der schädlichste Dämon der heutigen Zeit“.

Auf seiner eigenen Website erklärt der Dalai Lama auch, dass er mittels dem Werfen von Teigbällchen, in welche Zettel gesteckt werden, über die Dorje Shugden Praxis der Inkarnation von Trijang Rinpoche entscheiden wollte:

„Dholgyal [eine abwertende Bezeichnung für Dorje Shugden] ist etwas, mit dem Rinpoche eine Beziehung aus früheren Leben hat, und wenn die Zeit kommt, wenn Rinpoches persönliche Realisation Reife erlangt, werde ich durch Teigball-Prophezeihung entscheiden, ob er die Praxis ausführen soll.“

Siehe dazu dieses Video

Trijang Rinpoche war sein Wurzel-Guru, sein hauptsächlicher spiritueller Meister. Dass der Dalai Lama sich überhaupt anmaßt über die Praxis seines eigenen Lehrers entscheiden zu wollen, ist bereits aberwitzig genug. Dazu noch eine Methode anwenden zu wollen, die nicht verlässlicher ist, als das Lesen von Kaffeesatz, treibt es auf die Spitze.

Zurück zum anfänglichen Punkt: Der Dalai Lama sagte, er wolle den tibetischen Buddhismus vor der Degenerierung zur Geisterverehrung bewahren. Wir müssen uns fragen, wie er das tut? Sicher nicht, indem er die Praxis des Weisheitsbuddhas Dorje Shugden zerstört, der seit Jahrhunderten als erleuchtetes Wesen verehrt wird.

Die Vermischung von Religion und Politik in der tibetischen Gesellschaft und warum dies die Ursache für den Konflikt um Dorje Shugden ist

Die Vermischung von Religion und Politik in der tibetischen Gesellschaft und warum dies die Ursache für den Konflikt um Dorje Shugden ist

Die modernen westlichen Formen der Demokratie sind aus der Trennung von Staat und Religion entstanden und sie gewährleisten, dass Individuen der Religion ihrer Wahl folgen können, auch wenn diese nicht die Religion des jeweiligen Staatsoberhauptes ist. Europa hat über Jahrhunderte Verfolgungen und Zwangsmissionierungen erlebt, wann immer ein politischer Herrscher gleichzeitig ein göttliches Oberhaupt sein wollte und religiöse Gefolgschaft von seinen Untertanen gefordert hat.

Heutzutage können wir uns sehr glücklich schätzen, dass die buddhistische Lehre in Europa frei ausgeübt werden kann und sogar unter dem Schutz des Staates steht. Leider gibt es diese Freiheit ausgerechnet für viele Tibeter im indischen Exil nicht. Die Verehrer der buddhistischen Gottheit Dorje Shugden werden vom Dalai Lama unterdrückt und verfolgt. Und warum? Der einzige Grund ist, dass sie nicht der religiösen Überzeugung des politischen Führers – des Dalai Lama – folgen wollen. Der Dalai Lama lehnt die Praxis von Dorje Shugden ab, aber darf ihm dies das Recht geben, seinem gesamten Volk seine religiösen Ideen aufzuzwingen? Gerade er, der so viel von Toleranz redet, duldet Andersdenkende in seiner eigenen Gemeinschaft nicht.

Die Folgen der unheilvollen Verquickung von tibetischer Religion und Politik gehen so weit, dass selbst westliche Anhänger des Dalai Lamas beginnen die Grundrechte der Religionsfreiheit zu vergessen und seit Jahren ein aggressives Verhalten gegenüber Dorje Shugden Verehrern zeigen. Angestachelt vom 1996 ausgesprochenen Verbot der Dorje Shugden Praxis unter den Exiltibetern, werden westliche buddhistische Gruppen, die Dorje Shugden verehren, denunziert und ausgegrenzt, weil sie „gegen den Dalai Lama sind“. Wenn dieser Logik gefolgt wird, dass z.B. deutsche Buddhisten dem Glauben des tibetischen Königs folgen sollten, dann müsste auch gefordert werden, dass Exiltibeter dem Glauben von Angela Merkel folgen müssen.

Westliche Buddhisten haben das Recht und die Freiheit – und dies ist in vollkommener Übereinstimmung mit Buddhas Unterweisungen – dem Lehrer und der Tradition ihrer Wahl zu folgen, auch wenn dies nicht die Tradition eines bestimmten politischen Führers ist.

Die Aktionsbündnisse der Dorje Shugden Verehrer sind entstanden, um an diesen Punkt zu erinnern und um Religionsfreiheit für Dorje Shugden Praktizierende im Einflußbereich des Dalai Lama zu erreichen.

Ein ausführlicher Artikel zu diesem Thema ist „Was würde Thomas Jefferson über den 14. Dalai Lama denken?“ von  Dr. Lars English, Ph.D. Dickinson College, Carlisle, PA 17013, USA