Warum wird der Beschützer Dorje Shugden von seinen Anhängern als Ausstrahlung des Weisheitsbuddhas Manjushri gesehen?

Sie berufen sich darauf, dass Manjushri sich immer wieder im Aspekt hoch verwirklichter Meister manifestiert hat, wie z. B. dem indischen Mahasiddha Biwawa, dem tibetischen Meister Sakya Pandita usw. Die Inkarnationslinie geht bis zu Tulku Dragpa Gyaltsän, der schliesslich gemäss seiner Prophezeiung als Beschützer Dorje Shugden erschien.

Da alle früheren Meister in Wirklichkeit Manjushri selbst waren, folgt daraus, dass auch Dorje Shugden Manjushri ist. Diese Logik ist simple und schlüssig. Folglich verehren die Dorje Shugden Praktizierenden seit Jahrhunderten den Weisheitsbuddha Manjushri, der als Beschützer erscheint.

Lesen Sie über  “Frühere Inkarnationen des Dharma-Beschützers” aus dem Buch ‘Herzjuwel’ (Tharpa Verlag, Zürich, Berlin)

Teil 1 (Teil 2 folgt in Kürze)

DIE FRÜHEREN INKARNATIONEN DORJE SHUGDÄNS

Der hoch verwirklichte Meister Tagpo Kelsang Khädrub Rinpoche verfaßte die zwei folgenden Verse über Dorje Shugdän:

Mit tiefem Vertrauen verbeuge ich mich vor Dir, Vajradhara Dorje Shugdän.
Obwohl Du bereits die Buddha-Ebene erlangt hast
Und die siebenundzwanzig Taten eines Buddhas ausführst,
Erscheinst Du in verschiedenen Formen, um dem Buddhadharma und fühlenden Wesen zu helfen.

Du hast Dich in verschiedenen Aspekten manifestiert,
Als indische und tibetische Meister,
Wie beispielsweise Manjushri, Mahasiddha Biwawa, Sakya Pandita,
Butön Rinchen Drub, Duldzin Dragpa Gyaltsän, Panchen Sönam Dragpa und viele andere.

Die Bedeutung des ersten Verses ist recht klar. Die siebenundzwanzig Taten eines Buddhas sind in den Sutras der Vollkommenheit der Weisheit und im achten Kapitel des Ornaments für klare Verwirklichungen von Maitreya erklärt. Diese siebenundzwanzig Taten beinhalten, wie den fühlenden Wesen das Betreten des spirituelle Pfades zur Befreiung gezeigt wird bis zur Hinführung der fühlenden Wesen zur endgültigen Erlangung der Buddhaschaft. Da Dorje Shugdän alle diese siebenundzwanzig Taten ausführt, ist es klar, daß er ein Buddha ist.

Um Lebewesen auf dem spirituellen Pfad zu führen, mani­festiert sich Dorje Shugdän in vielen verschiedenen Aspekten. Manchmal erscheint er in einem friedvollen Aspekt, manchmal in einem zornvollen, manchmal als Ordinierter, manchmal als Laie, manchmal als Bodhisattva, manchmal als Hinayana-Buddhist, manchmal als Nichtbuddhist oder sogar als nichtmenschliches Wesen. Da es so viele verschiedene Ausstrahlungen der Buddhas gibt, ist es schwierig zu sagen, wer eine Ausstrahlung ist und wer nicht. Die einzige Person, bei der wir diesbezüglich sicher sein können, sind wir selbst. Wir wissen, ob wir ein fühlendes Wesen oder ein Buddha sind. Von anderen wissen wir es aber nicht.

Jeder Buddha hat die Fähigkeit, so viele Ausstrahlungen zu manifestieren, wie es Lebewesen gibt. Diese Fähigkeit ist notwendig, da Buddhas nicht in der Lage wären, allen Lebe­wesen entsprechend ihren verschiedenen Bedürfnissen zu helfen, wenn sie nur in einer Form ohne Ausstrahlungen bleiben würden. Folglich, wenn wir uns weigern zu glauben, daß ein Buddha viele verschiedene Ausstrahlungen haben kann, halten wir indirekt an der falschen Sichtweise fest, zu leugnen, daß Buddhas allen Lebewesen helfen können. Im Sutra der Begegnung von Vater und Sohn sagt Buddha Shakyamuni:

Buddhas zeigen sich in vielen verschiedenen Aspekten, wie zum Beispiel als Brahma, Indra und manchmal sogar als Mara oder böse Person, aber weltliche Menschen erkennen diese Ausstrahlungen nicht.

Buddhas können sich sogar als unbelebte Objekte ausstrahlen. Einst reiste der große indische Meister Phadampa Sangye nach Tibet. Als Milarepa vom Besuch dieses großen Yogis hörte, entschloß er sich, dessen Realisationen zu prüfen. Er ging zur Grenze und wartete auf Phadampa Sangyes Ankunft. Als er ihn näherkommen sah, verwandelte er sich in eine Blume, um zu prüfen, ob Phadampa Sangye die Hellsicht besaß, seine Tarnung zu durchschauen. Phadampa Sangye ging jedoch einfach an Milarepa vorbei, scheinbar ohne dessen Gegenwart zu bemerken. Milarepa dachte: «Dieser sogenannte Yogi hat keine Hellsicht», worauf sich Phadampa Sangye umdrehte, gegen die Blume trat und sagte: «Steh auf Milarepa!» Milarepa war erfreut festzustellen, daß Phadampa Sangye tatsächlich ein wahrhaft verwirklichtes Wesen war. Er sprang in seiner normalen Form auf und begrüßte ihn.

Wie Tagpo Kelsang Khädrub Rinpoche sagte, hat sich Dorje Shugdän in vielen verschiedenen Formen gezeigt, um den Lebewesen zu helfen. Nun folgt eine kurze Darstellung jeder der vergangenen Inkarnationen Dorje Shugdäns, die im oben zitierten Vers erwähnt wurde.

MANJUSHRI

Zur Zeit Buddha Shakyamunis erschien Dorje Shugdän als Bodhisattva Manjushri, einer der Hauptschüler Buddhas. In Wirklichkeit hatte Manjushri bereits in einem früheren Zeitalter, lange vor der Zeit Buddha Shakyamunis, die volle Erleuchtung erlangt. Im Sutra der Enthüllung des Bereiches von Manjushri erklärt Buddha, daß Manjushri in ferner Vergangenheit den Bodhisattva-Pfad vollendet und in seinem Reinen Land als Buddha namens «Tathagata Lampe der Nagas» die Erleuchtung erlangt hatte. Im selben Sutra beschreibt Buddha auch die vielen verschiedenen Buddha-Länder Manjushris und wie Manjushri in zahllosen Ausstrahlungen erscheint, um fühlenden Wesen zu helfen.

Zwar zeigte sich Manjushri im Aspekt eines Schülers von Buddha, dennoch hatte er große Macht, fühlenden Wesen zu helfen. Manchmal kamen Menschen auf der Suche nach Hilfe und Rat zu Buddha, aber Buddha verwies sie an Manjushri, da sie eine stärkere karmische Verbindung zu ihm hatten. Einige hatten eine solch starke Verbindung mit Manjushri, daß sie durch seinen Segen und sein Geschick in der Lage waren, nahezu ohne eigene Anstrengung sehr kraft­volle Realisationen zu entwickeln.

So jemand war König Ajatashatru. Ajatashatru hatte zwei besonders negative Handlungen begangen. Er hatte seinen Vater getötet und eine vollordinierte Nonne vergewaltigt, die außerdem ein Höheres Wesen war. Die Folgen solcher Handlungen sind entsetzlich. In den Vinaya-Sutras werden solche Handlungen «Handlungen sofortiger Vergeltung» genannt, denn, wer auch immer sie begeht, wird sofort nach dem Tod mit Sicherheit in einem Höllenbereich wiedergeboren. Den Vinaya-Sutras zufolge ist es unmöglich, solch eine Wiedergeburt zu verhindern, doch es besteht eine Möglichkeit, ihre Dauer zu verkürzen. Gemäß den Mahayana-Sutras können diese schweren negativen Handlungen jedoch gereinigt werden, wenn die korrekten Gegenmittel in reiner Form angewendet werden.

König Ajatashatru entwickelte starkes Bedauern für seine negativen Handlungen und bat Buddha, ihm eine besondere Methode zu geben, sie zu reinigen. Buddha lehrte das Sutra für die Beseitigung von Ajatashatrus Bedauern und legte dem König dann nahe, den Bodhisattva Manjushri um Hilfe zu ersuchen. Sobald Ajatashatru diesen Ratschlag hörte, entwickelte er starkes Vertrauen in Manjushri. Er lud Manjushri zu einem Festmahl in sein Haus ein. Nach dem Mahl stand er auf, um Manjushri einen sehr teuren Umhang darzubringen. Aber in dem Moment, als er das Gewand anbot, verschwand Manjushri. Der König stand verwundert da: «Wer ist Manjushri? Wo ist Manjushri?» Durch diese Gedanken erkannte er, daß er keinen wirklichen, wahrhaft existierenden Manjushri finden konnte, und kam dem Verständnis der Leer-heit sehr nahe. Da Manjushri verschwunden war, entschloß sich der König, den Umhang selbst anzuprobieren, aber als er ihn um seine Schultern legte, begann er die gleichen Fragen auf seine eigene Person bezogen zu stellen: «Wer bin ich? Wo bin ich? Wer ist der König? Wo ist der König?» Da er völlig außerstande war, ein wirkliches, wahrhaft existierendes Selbst oder einen wahrhaft existierenden König zu finden, erlangte er ein Verständnis der Leerheit. Dann begann er zu meditieren und erlangte schnell eine direkte Realisation der Leerheit und wurde ein Höheres Wesen auf dem Pfad des Sehens.

Den Hinayana-Unterweisungen zufolge kann eine Person, die eine der fünf Handlungen sofortiger Vergeltung begangen hat, nicht im selben Leben ein Höheres Wesen werden, aber die Mahayana-Sichtweise ist anders. Durch die Segnungen Manjushris konnte König Ajatashatru sein negatives Karma reinigen und den Pfad des Sehens erreichen. Manjushri vollbrachte viele solche besonderen Taten.

MAHASIDDHA BIWAWA

Später, um dem Buddhadharma zur Blüte zu verhelfen, wählte Manjushri eine Wiedergeburt als Mahasiddha Biwawa. Biwawa wurde in Indien, östlich von Bodh Gaya, geboren und trat in jungen Jahren in das Kloster Nalanda ein. Obwohl er eine Ausstrahlung Manjushris und demzufolge ein vollerleuchtetes Wesen war, studierte und praktizierte Biwawa Buddhas Lehren in Nalanda, um ein vollkommenes Beispiel zu geben, wie man den Pfad zur Befreiung und Erleuchtung praktizieren soll. Tagsüber studierte und meditierte er über die Sutra-Unterweisungen, und nachts praktizierte er die Yogas des Heruka-Tantras. Als Folge seiner reinen Praxis konnte er Vajrayogini und ihr Gefolge unmittelbar sehen. Jedesmal, wenn er Tsog-Darbringungen machte, kam Vajra­yogini in sein Zimmer zusammen mit fünfzehn anderen Dakinis, zu denen er eine besonders starke karmische Verbindung hatte, um am Fest teilzunehmen.

Unglücklicherweise konnten die anderen Mönche im Kloster Nalanda Vajrayogini und die Dakinis nicht erkennen, sondern sahen sie als gewöhnliche Frauen. Da die Mönche glaubten, daß er seine Ordinations-Gelübde breche, wurden sie ihm gegenüber sehr kritisch und gaben ihm den Spitznamen Biwawa, was «schlechter Mann» bedeutet. Ihrer Ansicht nach brachte Biwawas Verhalten das Kloster in Verruf, und so forderten sie ihn auf, dieses zu verlassen. Zwar hatte Biwawa niemals auch nur eines seiner Vinaya-Gelübde gebrochen, dennoch willigte er ein, Nalanda zu verlassen, und sagte: «Ja, ich bin ein schlechter Mann, ich werde gehen.» Er gab seine Roben zurück, zog sich Laienkleidung an und verließ das Kloster. Dann begann er wie ein armer, heimatloser Bettler von Ort zu Ort zu wandern.

Zuerst kam er in eine Gegend in der Nähe von Varanasi und lebte dort in einer Höhle tief im Wald. Das Land gehörte einem nichtbuddhistischen König, der einen großen Haß auf Buddhisten hatte. Eines Tages traf der König Biwawa und lud ihn in seinen Palast ein. Als er aber erfuhr, daß Biwawa ein Buddhist war, befahl er seinen Dienern, ihn zu töten. Zuerst versuchten die Diener, Biwawa zu ertränken; sie konnten ihn aber nicht hochheben, um ihn in den Fluß zu werfen. Dann versuchten sie, ihn lebendig zu begraben, aber am nächsten Tag erschien er wieder unversehrt. Schließlich versuchten sie, ihn zu verbrennen, aber wieder blieb er unverletzt. Als der König sah, daß sich Biwawa durch seine Wunderkräfte beschützen konnte, entwickelte er starkes Vertrauen in ihn und den Buddhadharma. Er und all seine Untertanen wurden buddhistische Praktizierende und Schüler Biwawas. Dies erfüllte eine Prophezeiung, die ein Astrologe bei Biwawas Geburt gemacht hatte und besagte, daß Biwawa sehr mächtig werden und durch die Vorführung seiner Wunderkräfte viele Menschen dazu bringen würde, den Pfad des Buddhadharmas zu betreten.

Einige Zeit später reiste Biwawa nach Süden zum Ganges. Als er am Fluß ankam, bat er einen Fährmann, ihn ans andere Ufer zu befördern, aber der Fährmann weigerte sich, da Biwawa kein Geld zur Begleichung der Schuld hatte. Biwawa verkündete: «Da dieser Fluß immerzu fließt, ist er vielleicht müde und möchte sich ein wenig ausruhen.» Er teilte das Wasser und ging hinüber zur anderen Seite. Der Fährmann war verblüfft und fragte Biwawa, wer er sei. Biwawa erzählte ihm ein wenig von seiner Lebensgeschichte, worauf der Fährmann großes Vertrauen in ihn entwickelte und ihn darum bat, sein Schüler zu werden. Biwawa nahm ihn als Schüler auf und gab ihm viele Unterweisungen. Der Fährmann praktizierte mit großem Fleiß und wurde schließ-lich ein hoch verwirklichter Yogi namens Drombi Heruka, einer der vierundachtzig Mahasiddhas.

Biwawa setzte seine Reise fort und erreichte eine Stadt. Dort rastete er in der örtlichen Gaststätte. Nachdem er einige Getränke zu sich genommen hatte, bat ihn die Wirtin zu bezahlen, aber Biwawa antwortete, daß er kein Geld habe. Die Wirtin wurde ärgerlich und drohte ihm: «Bis Sonnenuntergang mußt du bezahlt haben, sonst rufe ich die Ordnungshüter und lasse dich ins Gefängnis werfen!» Sofort benutzte Biwawa seine Wunderkräfte und hielt den Sonnenlauf an. Drei volle Tage hielt er die Sonne bewegungslos. Die Ortsbevölkerung war entgeistert und fragte sich, wie so etwas geschehen konnte. Schließlich baten sie den König um Hilfe. Als der König Biwawa fragte, was geschehen sei, antwortete Biwawa, daß er dafür verantwortlich sei, daß die Sonne nicht untergehe. «Wenn ich der Sonne erlaube unterzugehen, muß ich ins Gefängnis», erklärte er. Der König versicherte Biwawa, daß er weder seine Getränke bezahlen noch ins Gefängnis gehen müsse, wenn er nur die Sonne wieder untergehen ließe. Als Biwawa von seiner Begnadigung hörte, war er hoch erfreut und ließ augenblicklich die Sonne ihre Reise am Himmel fortsetzen!

Als Folge dieser außergewöhnlichen Taten entwickelten viele Menschen Vertrauen in Biwawa und den Buddhadharma. Auf diese Weise führte er viele Menschen auf den spirituellen Pfad. Als die Mönche in Nalanda von seinen Taten hörten, bedauerten sie sehr, daß sie ihn ausgestoßen hatten, und baten ihn, ins Kloster zurückzukehren, aber Biwawa lehnte ihre Einladung ab.

Mit freundlicher Genehmigung des Tharpa Verlages aus ‘Herzjuwel’ von Geshe Kelsang Gyatso

Teil 2 der Inkarnationslinie folgt in Kürze in diesem Blog

Wer ist Dorje Shugden?

Es ist immer wieder überraschend, wie viele Leute von Dorje Shugden gehört haben, und wie wenig die meisten über ihn wissen. Daher jetzt eine Reihe von Mitteilungen, die diesen Weisheitsbeschützer vorstellen.

Der erste Teil ist:

EINE EINFÜHRUNG ZUM DHARMA-BESCHÜTZER DORJE SHUGDÄN

Ein Dharma-Beschützer ist eine Ausstrahlung eines Buddhas oder Bodhisattvas, dessen Hauptfunktion darin besteht, die inneren und äußeren Hindernisse, die Praktizierende am Erlangen spiritueller Realisationen hindern, abzuwenden und alle notwendigen Voraussetzungen für ihre Praxis zu gewährleisten. In Tibet hatte jedes Kloster seinen eigenen Dharma-Beschützer. Die Tradition begann jedoch nicht in Tibet. Die Mahayana-Buddhisten des alten Indien verließen sich ebenfalls auf Dharma-Beschützer, um Hindernisse zu beseitigen und ihre spirituellen Wünsche zu erfüllen.

Zwar gibt es einige weltliche Gottheiten, die dem Buddhismus freundlich gesinnt sind und Praktizierenden zu helfen versuchen. Dies sind jedoch keine wirklichen Dharma-Beschützer. Solche weltlichen Gottheiten sind in der Lage, den äußeren Reichtum der Praktizierenden zu vergrößern und ihnen bei ihren weltlichen Tätigkeiten zum Erfolg zu verhelfen. Sie haben jedoch weder die Weisheit noch die Macht, die Entwicklung des Dharmas im Geist eines Praktizierenden zu beschützen. Es ist dieser innere Dharma – die Erfahrungen des Großen Mitgefühls, des Bodhichittas, der Leerheit realisierenden Weisheit und so weiter – der von äußerster Wichtigkeit ist und beschützt werden muß. Äußere Bedingungen sind von zweitrangiger Bedeutung.
Obwohl die Motivation weltlicher Gottheiten gut ist, fehlt es ihnen an Weisheit. Und so behindert manchmal die äußere Hilfe, die sie gewähren, tatsächlich die Erlangung authentischer Dharma-Realisationen. Wenn sie selbst keine Dharma-Realisationen haben, wie können sie da Dharma-Beschützer sein? Deshalb ist es klar, daß alle wirklichen Dharma-Beschützer Ausstrahlungen von Buddhas oder Bodhisattvas sein müssen. Diese Beschützer haben große Macht, den Buddhadharma und seine Praktizierenden zu beschützen. Das Ausmaß, in dem wir von ihnen Hilfe empfangen, hängt allerdings von unserem Vertrauen in sie und von unserer Überzeugung ab. Um ihren vollen Schutz zu erhalten, müssen wir uns mit beständiger, unerschütterlicher Hingabe auf sie verlassen.

Buddhas haben sich in der Form verschiedener Dharma-Beschützer wie beispielsweise Mahakala, Kalarupa, Kalindewi und Dorje Shugdän manifestiert. Von der Zeit Je Tsongkhapas bis zum Ersten Panchen Lama, Losang Chökyi Gyaltsän, war Kalarupa der wichtigste Dharma-Beschützer der Überlieferungslinie Je Tsongkhapas. Später waren jedoch viele hohe Lamas der Ansicht, daß Dorje Shugdän zum wichtigsten Dharma-Beschützer dieser Tradition geworden sei.

Es gibt keinen Unterschied hinsichtlich des Mitgefühls, der Weisheit oder der Macht der verschiedenen Dharma-Beschützer. Aufgrund des Karmas der fühlenden Wesen hat jedoch ein bestimmter Dharma-Beschützer zu einer bestimmten Zeit eine bessere Möglichkeit, Dharma-Praktizierenden zu helfen. Den Grund dafür können wir verstehen, wenn wir das Beispiel Buddha Shakyamunis betrachten. Früher hatten die Wesen dieser Welt das Karma, Buddha Shakyamunis erhabenen Ausstrahlungskörper zu sehen und Unterweisungen direkt von ihm zu empfangen. Heutzutage haben wir dieses Karma jedoch nicht mehr, und so erscheint uns Buddha in der Form unseres Spirituellen Meisters und hilft uns auf diese Weise, indem er uns Unterweisungen gibt und uns auf spirituellen Pfaden führt. Folglich nimmt Buddhas Hilfe, entsprechend unseres sich verändernden Karmas, unterschiedliche Formen an. Die essentielle Natur der Hilfe bleibt jedoch die gleiche.

Von allen Dharma-Beschützern haben insbesondere der viergesichtige Mahakala, Kalarupa und Dorje Shugdän die gleiche Natur, da sie alle Ausstrahlungen Manjushris sind. Allerdings haben die Wesen der heutigen Zeit eine stärkere karmische Verbindung zu Dorje Shugdän als zu den anderen Dharma-Beschützern. Aus diesem Grunde sagte Morchen Dorjechang Kungra Lhundrup, ein sehr hoch verwirklichter Meister der Sakya-Tradition, seinen Schülern: «Jetzt ist die Zeit, sich auf Dorje Shugdän zu verlassen.» Er sagte dies bei vielen Gelegenheiten, um seine Schüler zu ermutigen, Vertrauen in die Praxis von Dorje Shugdän zu entwickeln. Auch wir sollten seinen Rat befolgen und uns diesen zu Herzen nehmen. Er sagte nicht, daß jetzt die Zeit sei, sich auf andere Dharma-Beschützer zu verlassen, sondern er erklärte deutlich, daß jetzt die Zeit sei, sich auf Dorje Shugdän zu ver­lassen. Viele hohe Lamas der Sakya-Tradition und viele Sakya-Klöster haben sich aufrichtig auf Dorje Shugdän verlassen.

Trijang Dorjechang – der verstorbene Wurzel-Guru vieler Gelugpa-Praktizierender, von einfachen Novizen bis zu den höchsten Lamas – war in der letzten Zeit größtenteils verant­wortlich für die Verbreitung der Praxis von Dorje Shugdän. Er ermutigte alle seine Schüler, sich auf Dorje Shugdän zu verlassen, und gab viele Dorje-Shugdän-Ermächtigungen. Noch in hohem Alter schrieb er einen umfassenden Text mit dem Titel Symphonie, die einen Ozean von Eroberern erfreut, um die Praxis von Dorje Shugdän vor dem Niedergang zu bewahren. Dieser Text ist ein Kommentar zu einer Lobpreisung Dorje Shugdäns mit dem Namen Unendliche Äonen, die von Tagpo Kelsang Khädrub Rinpoche verfaßt wurde.

(mit freundlicher Genehmigung des Tharpa Verlages, aus dem Buch ‚Herzjuwel‘ von Geshe Kelsang Gyatso)

Dorje Shugden Praktizierenden wird medizinische Hilfe und Freundschaft verweigert

Bericht aus Südindien vom 7. November 2008

1. Buddhistischen Mönchen wird in ihrem eigenen Kloster medizinische Hilfe verweigert.
Im Kloster Ganden Lachi gab es ein Treffen, um über die Apotheke des Shartse Klosters zu beraten. Sie kamen zu diesem Beschluss:

“Die Apotheke hat eine Verbindung zur Dholgyal-Organisation [Dholgyal ist eine abwertende Bezeichnung für Dorje Shugden] und einige Shugden Mönche kommen zu dieser Apotheke. Deshalb muss die Apotheke ein Schild an der Tür anbringen, dass mitteilt, dass Shugden-Verehrern der Zutritt nicht gestattet ist.”

Mitteilung der Klinik des Klosters Gaden Shartse

Mitteilung der Klinik des Klosters Gaden Shartse

Öffentliche Bekanntmachung der Klinik

(Übersetzung des tibetischen Textes)

An die Öffentlichkeit

Die Mönche des Klosters Gaden Shartse Thösam Norling haben bereits Schwüre und Unterschriften geleistet, mit denen sie erklären, dass sie niemals irgendeine spirituelle oder materielle Beziehung mit denen aufrechterhalten, die Dholgyal verehren. Deshalb geben wir bekannt, dass die Anhänger von Dholgyal, wer auch immer sie sind, keinerlei Zugang zur Klinik des Klosters haben, weder direkt, noch indirekt, noch in anderer Form.

Gaden Shartse Norling Clinic Association

(Diese öffentliche Mitteilung stammt vom 20. November 2008. Die gleiche Mitteilung wurde an der Bücherei des Klosters Shartse angebracht)

2.  Gezielte Zerstörung von Freundschaften zwischen buddhistischen Mönchen
Am 11. November 2008 hat das Kloster Shartse ein Treffen einberufen, an dem der Abt, der Disziplinmeister, der Gesangmeister usw. teilnahmen. Der Gesangmeister Tenzin Namdak hat nach Berichten gesagt:

“Einige Shugden-Verehrer und Nicht-Shugden Verehrer sind immer noch befreundet, genau wie vor der Trennung. Sie fahren auf Motorädern und in Jeeps zusammen. Wir sollten diese Freundschaft und Gemeinschaft zwischen Mönchen von Shar Gaden und Ganden Shartse stoppen”

Dieser letzte Bericht ist sowohl schmerzlich als auch Anlass zur Hoffnung, denn er zeigt, dass vielleicht alles sehr schnell zur Normalität zurückkehrt, sobald der Dalai Lama sein unrechtmässiges Verbot der Shugden-Praxis aufgehoben und die Hexenjagd auf Shugden-Praktizierende eingestellt hat. Dieser und andere Berichte aus Indien zeigen, dass niemand mit dem Verbot glücklich ist, weder Shugden-Praktizierende noch andere, und die Äbte usw. folgen dem Verbot nur, weil es von der Exilregierung und dem Dalai Lama erlassen wurde. Wie im Bericht des Nachrichtensenders Al Jazeera vor kurzem gezeigt wurde, sagte der Dalai Lama:

“Vor kurzem haben die Klöster furchtlos, wo immer notwendig, Schugden-Praktierende ausgestossen. Ich unterstütze ihre Aktionen voll und ganz. Ich lobe sie. Wenn die Klöster es schwierig finden, harte Massnahmen zu ergreifen, sagt ihnen, der Dalai ist dafür verantwortlich.”

Mitteilung des Klosters Gaden Shartse

Mitteilung des Klosters Gaden Shartse

Wichtige Mitteilung
(Übersetzung des tibetischen Textes)

An die Öffentlichkeit

Die Mönche des Klosters Gaden Shartse Thösam Norling haben bereits Schwüre und Unterschriften geleistet, mit denen sie erklären, dass sie niemals irgendeine spirituelle oder materielle Beziehung mit denen aufrechterhalten, die Dholgyal verehren. Deshalb geben wir bekannt, dass die Anhänger von Dholgyal, wer auch immer sie sind, gebeten werden, das Kloster nicht zu kontaktieren, weder direkt, noch indirekt, noch in anderer Form.

Gaden Shartse Thoesam Norling monastery

(Diese undatierte Mitteilung wurde am 19. November angebracht. Die gleiche Mitteilung wurde an der Bücherei des Klosters Shartse angebracht.)

Weiterhin schwierige Situation für Shugden-Verehrer in Indien

Diesen Brief haben wir von einem Mönch und Dorje Shugden Verehrer aus Indien erhalten. Er zeigt, dass es nach wie vor offene und verdeckte systematische Diskriminierung gegenüber Shugden-Verehrern gibt. Der Dalai Lama und die Exilregierung setzen weiterhin ihr Bemühen fort, diese traditionelle Verehrung des Weisheitsbeschützers Dorje Shugden auszulöschen.

Auszüge aus einem Brief eines Mönches aus Indien, weitergeleitet von der Shugden Society, Delhi

“Aufgrund der jüngsten Aufstände in Tibet konnten keine Tibeter mehr ins Exil gelangen. Wenn sich die Lage wieder beruhigt, werden wieder Flüchtlinge nach Indien kommen, um schulische und monastische Ausbildung zu bekommen. Wenn sie in Nepal ankommen, wenden sie sich an das Tibetische Empfangszentrum dort, und später an die entsprechende Stelle in Dharamsala. Sie werden gefragt, ob sie Verehrer von Dorje Shugden sind oder nicht. Wenn jemand ein Verehrer von Dorje Shugden ist, erhält er keinen Empfehlungsbrief, um einem der Klöster in Indien beizutreten. Ohne solch einen Brief wird der Abt ihn nicht zulassen. Es ist bekannt, dass im Jahr 2008 16 Flüchtlinge grosse Probleme durch die tibetischen Büros in Kathmandu und Dharamsala hatten.

Viele Mönche haben Pomra [eine Abteilung des Klosters Sera Me in Südindien] verlassen, aber viele sind immer noch dort. Diejenigen, die Pomra verlassen haben, waren unter Druck und Angst. Sie hatten Angst, dass sie aus Indien deportiert werden. überall wurde verbreitet: “Die Shugden-Verehrer die nicht aufgeben, werden auf die Strasse geworfen.” Nicht nur das, im Namen einer Organisation namens Himalayan cultural Association wird sogar damit gedroht, sie ganz aus Indien zu vertreiben,

Die Mönche von Pomra haben keine Feindseligkeiten gegen andere Mönche. Es ist individuelle Freiheit, ob jemand [Shugden] praktizieren will oder nicht.

Gegenwärtig sind aufgrund der vielen Probleme im Kloster die Mönche beider Seiten nicht zufrieden. Sie wollen nicht im Kloster bleiben, deshalb haben viele das Kloster verlassen und sind nach Amerika oder Europa gegangen. Es gibt jetzt hunderte ehemaliger Mönche in New York und anderswo in den USA und Kanada, darunter auch Geshes. Sie arbeiten in Restaurants, Läden und Fabriken. Einige Mönche, die Glück haben, oder eine Verbindung mit einem buddhistischen Zentrum, haben die Möglichkeit Dharma zu unterrichten.

Pomra hat jetzt über 400 Mönche, davon leben etwa 200 ausserhalb. Die Mehrheit der Mönche sind Tibeter. Es gibt fast 100 Nepalis unter den Mönchen. Niemandem wurde gesagt sie sollten Shugden verehren. Sie sind in das Kloster gekommen, um Buddhismus zu studieren. Ihnen wird gelehrt, alle religiösen Glaubensrichtungen zu respektieren, und niemals schlecht über andere Glaubensrichtungen zu reden.

Niemand ist gegen den Dalai Lama; niemand hat Feindseligkeit gegenüber ihm, trotzt der Verfolgung und Diskriminierung, die seit über einem Jahrzehnt stattfindet.

Die Mönche in Sera und Ganden waren nicht glücklich über die Besuche des Dalai Lama. Jedesmal wenn er hier herkommt, wirbelt er die Shugden-Sache auf. Dann gibt es Probleme. Es gibt viele Mönche die nicht von Pomra sind und fragen: “Warum kommt der Dalai Lama so oft zu diesem Kloster?” Schon einen Monat bevor er kommt, erwarten die Leute etwas Schlimmes im Kloster. Der Dalai Lama kommt. Er wird die Situation mit Sicherheit schlimmer machen. Er nimmt seinen Besuch als Anlass, um für die weltweiten Proteste und das Verfahren vor dem Gericht in Delhi Vergeltung zu üben.

Der Dalai Lama sagt, dass er sich von politischer Verantwortung zurückzieht. Er ist aber immer noch das politische Oberhaupt und er wird es bleiben. Obwohl das Treffen hier ein öffentliches Treffen genannt wurde, werden sie schliesslich doch nur tun was der Dalai Lama will. Er hat nicht am gerade stattfindenden Treffen teilgenommen, um zu zeigen, dass er nicht involviert ist. Später werden wir den Beschluss sehen. Der Beschluss wird sein, dass die Mehrheit dem Vorgehen des Dalai Lama folgen will.

Gerade jetzt ist die Situation im Sera recht friedlich, aber dieser Frieden kann jederzeit zerstört werden. Shugden-Verehrer und diejenigen, die ihn nicht verehren leben getrennt. Ich glaube nicht, dass Shugden-Verehrern hier gestattet wird, friedlich zu leben.”

Das politische Verbot einer religiösen Praxis durch den Dalai Lama erstreckt sich auch auf die Schweiz und Liechtenstein

Wird es jemals aufhören? Die Mischung von Politik und Religion, die durch den Dalai Lama und seine Exilregierung ausgeübt wird, zerstört bereits das spirituelle Leben tausender von Menschen in der tibetischen Exilgemeinde in Indien und greift jetzt auf den Westen über. Lesen Sie selbst:

Schweizer Beschluss bezüglich der Verehrung von

Dholgyal [abfällige Bezeichnung für Dorje Shugden]

Anlässlich der 2. Droetsog Sitzung (lokale Versammlung der Vertreter) der Tibetergemeinschaft in der Schweiz und Liechtenstein am 16. August 2008 fand eine gründliche und verantwortungsvolle Diskussion über das Thema Dhogyal (Shugden) statt. Die Mehrheit der anwesenden Droetsog Thuemis (Vertreter) hat die Resolution (5 Punkte) von 1996 nochmals bekräftigt und ergänzte diese mit 3 aktuellen Punkten. Ferner werden alle Tibeter ab dem 18. Lebensjahr aufgefordert, auf Worte Taten folgen zu lassen, indem sie an der neuerlichen Unterschriftsaktion teilnehmen.

a) Die Resolution vom 6. Februar 1996 wurde einstimmig von der damaligen Droetsog Thuemis (Lokalen Versammlung der Vertreter) verabschiedet und beinhaltet folgende 5 Punkte:
1) Die bisherige Dhogyal-Verehrung wird klar und mit sofortiger Wirkung beendet.
2) Diejenigen, die bis anhin nicht der Dhogyal-Verehrung verfallen waren, sollten weiterhin standhaft bleiben und nicht in den Einflussbereich der Dhogyal-Verehrung geraten.
3) Personen, welche privat oder für das Wohlergehen des Dalai Lamas Gebete rezitieren und Gaben erbringen wollen, dürfen nur diejenigen ohne Verbindung zu Dhogyal einladen.
4) Personen, welche privat oder in einer Gemeinschaft Gaben an Klöster in Indien und Nepal erbringen, dürfen diese Gaben nur an Klöster ohne Dhogyal-Verbindung erbringen.
5) Die Unterweisungen über Politik und Religion müssen beherzigt und in die Tat umgesetzt werden.

b) Die von der Mehrheit der Droetsog Thuemis (Lokalen Versammlung der Vertreter) verabschiedete Resolution vom 16. August 2008 beinhaltet 3 zusätzliche Punkte:
1) Vor kurzem haben wenige Dhogyal-Anhänger S.H. den Dalai Lama unbegründet und öffentlich kritisiert. Wir verstehen diese Aktionen als Verschwörung, um Gerüchte zu verbreiten.
2) Die wenigen Tibeter, welche Seine Heiligkeit den Dalai Lama unbegründet öffentlich kritisieren, erkennen wir als direkte, indirekte und vollständige Kollaborateure des Chinesischen Regimes.
3) Wir werden Unterschriften sammeln, um die Wahrheit zu bezeugen, in freiwilliger Weise die obigen Punkte zu unterstützen.

Hier das tibetische Originaldokument

http://www.westernshugdensociety.org/de/reports/dholgyal-worship-swiss-resolution1/