Die Abstimmungen über Dorje Shugden widersprechen der Vinaya

Die Abstimmungen über Dorje Shugden widersprechen der Vinaya

Dieser Artikel (basierend auf dem englischen Beitrag „Dalai Lama’s Referendum contradicts Vinaya“) soll untersuchen, ob die Maßnahmen S.H. des Dalai Lama in Bezug auf die Beschützerpraxis von Dorje Shugden in Übereinstimmung mit der Vinaya sind, der buddhistischen Lehre über moralisches Verhalten. In allen großen Gelugpa-Klöstern in Indien wurden in der vergangenen Zeit auf Anordnung des Dalai Lama Abstimmungen mit Stimmstöcken durchgeführt, ob die Praxis von Dorje Shugden ausgeführt werden darf. Die Frage ist, ob diese Abstimmungen – wie behauptet – in Übereinstimmung mit der buddhistischen Lehre sind, oder nicht.

Am 08. Januar 2008 sagte der Dalai Lama in einer öffentlichen Rede im Kloster Drepung Loseling (Transskript von Voice of America):

„In den Vinaya-Regeln heißt es auch, wenn es eine strittige Angelegenheit gibt, sollen die Mönche Stimmstöcke nehmen und entscheiden, so wie es in den ‚Sieben Methoden zur Beilegung von Konflikten‘ beschrieben ist. In der heutigen demokratischen Praxis gibt es eine Sache die „Referendum“ genannt wird, „Befragung der Mehrheit“. Die Angelegenheit hat jetzt den Punkt erreicht, zu Fragen was die Mehrheit will. Deshalb, wenn ihr nach diesem Kurs am Loseling Kloster nach Hause geht, stellt diese Fragen:

„Ob ihr Dholgyal [Dorje Shugden] verehren wollt.“ Das ist die erste Frage. Diejenigen, die es wollen, sollen unterschreiben, dass sie Dholgyal verehren wollen; diejenigen die es nicht wollen, sollen unterschreiben, dass sie es nicht wollen.

„Ob wir die religiösen und materiellen Güter mit Dholgyal-Verehrern teilen wollen“; Ihr sollt unterschreiben, dass ihr das wollt. Oder „Wir wollen die religiösen und materiellen Güter nicht mit Dholgyal-Verehrern teilen“; Ihr sollt unterschreiben, dass ihr das nicht wollt.“

Der spezifische Abschnitt der Vinaya auf den sich der Dalai Lama bezieht ist als „Die sieben Methoden Konflikte zu lösen“ bekannt und ist die schriftliche Grundlage für die Abstimmungen an den Klöstern Sera, Ganden und Drepung. Wenn man in diese Schriften schaut, stellt man leicht fest, dass der Dalai Lama und die Äbte der Klöster die Richtlinien Buddhas zum Umgang mit einem derartigen Konflikt vollkommen missachten. Wenn Buddhas Ratschlägen wirklich gefolgt werden würde, gäbe es den Konflikt in dieser Form überhaupt nicht und seine Beilegung würde kein Leid verursachen.

Die besagten „Sieben Methoden“ werden von Thanissaro Bhikkhu beschrieben, in „The Buddhist Monastic Code, Volume I: The Patimokkha Training Rules Translated and Explained.“

Regel Nr. 5 besagt: „In Übereinstimmung mit der Mehrheit handeln“. Dies bezieht sich auf Fälle, in denen Bhikkhus (Mönche) einen Konflikt nicht einstimmig lösen können, und selbst nachdem die angemessenen Verfahren befolgt wurden, sie sich „mit den Waffen der Zunge verletzen“. In solchen Fällen können Entscheidungen durch Mehrheitsabstimmung getroffen werden.

Solch eine Abstimmung ist gültig, wenn:

1. Die Angelegenheit wichtig ist
2. Die Verfahren von „in der Gegenwart von“ sind alle befolgt worden aber führten nicht zur Beilegung der Angelegenheit. (Die Diskussion in der Cullavagga weist darauf hin, dass mindestens zwei Gemeinschaften versucht haben die Angelegenheit zu klären. Der Kommentar empfiehlt, die normalen Verfahren mindestens zwei- oder dreimal zu versuchen.)
3. Beide Seiten sind dazu gebracht worden sind, über ihren Standpunkt nachzudenken
4. Der Verteiler der Stimmstöcke weiß, dass die Mehrheit zum Dharma steht
5. Er hofft, dass die Mehrheit zum Dharma stehen wird
6. Der Verteiler der Stimmstöcke weiß, dass das Verfahren nicht zu einer Spaltung der Sangha führen wird
7. Er hofft, dass das Verfahren nicht zu einer Spaltung der Sangha führt
8. Die Stimmstöcke werden in Übereinstimmung mit dem Dharma ausgegeben (gemäß dem Kommentar heißt dies, dass es keinen Betrug gibt –  z. B. ein Bhikkhu zwei Stöcke nimmt – und die Seite des Dharmas gewinnt)
9. Die Versammlung ist vollständig
10. Die Bhikkhus nehmen die Stimmstöcke in Übereinstimmung mit ihren Sichtweisen (und nicht unter  Furcht vor Einschüchterung oder Nötigung

Regel Nr. 10 wurde verletzt: Die Abstimmungen fanden unter Furcht vor Einschüchterung oder Nötigung statt

Am 26. Januar 2008 wurde die Abstimmung im Kloster Sera-Je durchgeführt, am 9. Februar 2008 in Ganden Shartse. Vor diesen Abstimmungen wurden bereits Maßnahmen gegen Dorje Shugden Mönche ergriffen. Einige der Ereignisse:

8. Januar 2008: In der Versammlungshalle des Klosters Ganden Jangtse musste jeder Mönch einzeln aufstehen und verkünden, dass er niemals Dorje Shugden praktizieren wird. Zwölf Mönche, die Dorje Shugden praktizieren nahmen nicht teil und wurden aus dem Kloster ausgeschlossen.

Im Phukang Khangtsen (ebenfalls Ganden Shartse) wurden unterschriebene Erklärungen von jedem Mönch eingesammelt, die besagten, dass der Unterzeichner niemals Dorje Shugden praktizieren wird. Mönche die nicht unterschreiben und keinen Schwur ablegen wollten, sondern mit der Praxis von Dorje Shugden fortfahren, wurden gezwungen zu unterschreiben. Die Unterschrifts- und Schwurkampagne wurde in zehn monastischen Abteilungen durchgeführt. Als die Unterschriften im Phukang Khangtsen eingesammelt wurden, wurde ein Mönch ausgestoßen, weil er sich weigerte.

11. Januar 2008: Der Abt des Klosters Ganden Jangtse, Gen Rinpoche Geshe Lobsang Tsephel wurde auf einer öffentlichen Versammlung vom Dalai Lama dafür gescholten ein Dorje Shugden Praktizierender zu sein. Er wurde dafür beschuldigt „zwei Gesichter“ zu haben, da er vorgibt dem Rat des Dalai Lama zu folgen, während er im geheimen Dorje Shugden praktiziert.

Bevor irgendeine Abstimmung in Sera Je oder Ganden Shartse durchgeführt wurde, sind bereits Mönche ausgeschlossen und gedemütigt worden. Das ist ein wichtiger Punkt.

Anschließend wurden die Mönche von Ganden und Sera aufgefordert, an einer Abstimmung teilzunehmen, wobei sie die Konsequenzen bereits kannten, sollten sie gegen die Mehrheit stimmen.

Kann dies eine demokratische Abstimmung ohne Einschüchterung und Nötigung genannt werden? Sich zu der Praxis von Dorje Shugden zu bekennen, bedeutete für die Mönche, in Zukunft zu einer gesellschaftlichen Gruppe zu gehören, mit der niemand „materielle oder spirituelle Beziehungen haben darf“. Solcherart war ihr Überleben innerhalb wie außerhalb der Klöster in Frage gestellt. Indem der Dalai Lama einen derartigen Druck ausübte verstieß er gegen die Vinaya und die gesamte buddhistische Lehre.

Regel Nr. 6 und Nr. 7 wurden verletzt: die Abstimmung wird zu einer Spaltung der Sangha führen

Die zweite Frage die der Dalai Lama formuliert hat ist: „Ob wir die religiösen und materiellen Güter [das Zusammenleben im Kloster] mit Dholgyal-Verehrern teilen wollen“.

Das bedeutet in der Praxis, dass Mönche, die bisher im Kloster zusammenlebten, nicht mehr die gleiche Küche benutzen dürfen, nicht zusammen beten und studieren, nicht zusammen arbeiten, nicht einmal mehr zusammen in einem Fahrzeug sitzen, wie es erst kürzlich im November gefordert wurde.

Eine Spaltung der Sangha bedeutet eine Teilung in der Gemeinschaft, wobei zwei Gruppen von Bhikkhus, die eine gemeinsame Verbindung haben – mit mindestens fünf in einer Gruppe und vier in einer anderen – Handlungen der Gemeinschaft in der gleichen Gegend getrennt voneinander ausführen.“

Am 7. Februar 2008 verkündete der Disziplinmeister in der Versammlungshalle des Klosters Shartse mit Tränen in den Augen: „Dhokhang Khangtsen wird jetzt vom Kloster Shartse getrennt.“ Dies erfüllt die Definition einer Spaltung der Sangha gemäß Buddhas Unterweisungen. Es ist klar, dass die vom Dalai Lama veranlassten Abstimmungen gezielt und unvermeidlich zu einer Spaltung der Sangha führten. Dies ist ein weiterer Grund, warum die Abstimmungen ungültig sind.

Zudem gibt es Anweisungen von Buddha, wie gemäß der Vinaya mit einer Spaltung umgegangen werden sollte, und der Dalai Lama missachtet diese Ratschläge:

„Bezüglich der Laiengemeinde, wird Buddha in den Texten zitiert, dass sie an beide Parteien geben sollten und ihren Dharma hören. Dann, nach sorgfältigem Abwägen, sollten sie die Dharma-Fraktion bevorzugen. Es ist jedoch anzumerken, dass Buddha mit diesem Ratschlag an die Laien, eine Fraktion zu bevorzugen, nicht gesagt hat, dass nur eine Fraktion Almosen erhalten soll. Es mag geschehen, dass die Laien über den Dharma falsch informiert sind und nicht in der Lage, die richtige Gruppe von der falschen zu unterscheiden. Weiterhin hat der Buddha niemals ein Lebewesen als unwürdig erklärt, Gaben zu erhalten, denn das wäre gleichbedeutend damit, dass dieses Wesen nicht wert wäre zu leben.“

Dies bedeutet, dass die Unterschriftenkampagne, die vom Dalai Lama und der Exilregierung in der Laiengemeinde durchgeführt wird, und die dazu aufruft, keine materiellen Güter mit Dorje Shugden Verehrern zu teilen, direkt der Vinaya widerspricht. Der Text der Vinaya macht klar, dass sowohl Dorje Shugden Verehrer, als auch diejenigen, die ihn nicht verehren, materielle Unterstützung erhalten sollten, wie jeder andere auch.

Regel Nr. 2 wurde verletzt: Die Abstimmungen folgen nicht Buddhas Verfahrensweisen der Vinaya

Eine Abstimmung ist gemäß der Vinaya nur dann gültig, wenn die Verfahrensweisen von „in der Gegenwart von“ befolgt wurden, ohne den Konflikt beilegen zu können. D.h. die Gemeinschaft muss sich treffen und beratschlagen, bevor die Abstimmung durchgeführt wird. Dies ist nicht geschehen. Der Dalai Lama hat sich niemals mit Dorje Shugden Verehrern getroffen, um mit ihnen eine Lösung zu finden. Es gab niemals einen Dialog, keine Antworten auf Petitionen, Briefe etc. Auf der Website www.wisdombuddhadorjeshugden.org/de gibt es einen Zähler, der angibt, seit wann der Dalai Lama nicht antwortet. Das Referendum ist daher eine einseitige Entscheidung des Dalai Lama und wurde der tibetischen Gemeinschaft aufgezwungen. Dies widerspricht der Vinaya. Der Dalai Lama sagte am 08. Januar 2008 (siehe Video von Al Jazeera und das deutsche Transskript in unserem Blog), direkt vor den Abstimmungen:

Vor kurzem haben Klöster furchtlos Shugden-Mönche ausgestoßen, wo es nötig war. Ich unterstütze diese Handlungen voll und ganz. Ich lobe sie. Wenn es Klöstern schwerfällt, Maßnahmen zu ergreifen, sagt ihnen, der Dalai Lama ist dafür verantwortlich“.

Ein weiteres Argument ist, dass die Vinaya die Möglichkeit gibt, dass jeder Mönch in der Gruppe das Recht hat, dagegen zu protestieren, dass die Angelegenheit von der Gruppe gelöst wird. Wenn dies geschieht, wird die Gruppe als inkompetent betrachtet, um die Sache zu klären. Der Zweck dieses Ratschlages von Buddha ist, den Dharma vor Bhikkhus zu schützen, die empfehlen, was nicht wirklich Dharma oder Vinaya ist, aber sich dennoch in der Gruppe durchsetzen. Wenn es eine Versammlung gegeben hätte, hätten Dorje Shugden Mönche mit Sicherheit protestiert.

Regel Nr. 4, Nr. 5 und Nr. 8 wurden verletzt: Das Ergebnis der Abstimmungen ist nicht in Übereinstimmung mit dem Dharma

Der Ehrwürdige Atisha sagte:
„Freunde, bis ihr Erleuchtung erlangt, ist der spirituelle Lehrer unentbehrlich, verlasst euch deshalb auf den heiligen spirituellen Meister.“

Die Abstimmungen widersprechen den Worten dieses heiligen Lehrers, der maßgeblich für die Verbreitung des Buddhismus in Tibet war. Die heutigen Dorje Shugden Verehrer erhielten Ermächtigungen in diese Praxis von ihren Gurus Trijang Rinpoche, Geshe Rabten, Lama Yeshe, Song Rinpoche, Dagom Rinpoche, und vielen anderen. Die Ratschläge dieser Lehrer aufzugeben und dem Verbot zu folgen, ist gemäß Atisha Nicht-Dharma.

Die beiden Hauptlehrer des jetzigen Dalai Lama waren Trijang Rinpoche und Ling Rinpoche. Trijang Rinpoche war ein reiner Dorje Shugden Praktizierender und hat Ermächtigungen in diese Praxis gegeben und Schriften über Dorje Shugden verfasst. Ling Rinpoche hat Gebete an Dorje Shugden verfasst, die regelmäßig in buddhistischen Zentren in der ganzen Welt rezitiert werden. Wenn sich der Dalai Lama gegen diese beiden heiligen Meister stellt müssen wir uns fragen, was für eine Überlieferungslinie er lehrt? Wie kann er Unterweisungen darüber geben, sich auf einen spirituellen Lehrer zu verlassen und auf welchen Erfahrungen basieren diese Unterweisungen?

Zusammengefasst, aus allen diesen Gründen ist das Referendum über die Dorje Shugden Verehrung Nicht-Dharma. Da der Dalai Lama die Abstimmungen als Dharma präsentiert, obwohl sie es nicht sind, täuscht er buddhistische Praktizierende in der ganzen Welt.

Da der Dalai Lama außerdem den Dorje Shugden Verehrern die Lebensnotwendigkeiten verwehrt, brechen er und die anderen, die diese Schwur- und Unterschriftskampagnen durchführen, ihre Zufluchtsgelübde zu Buddha, die besagen, keinem Wesen zu schaden.

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Deutsche Übersetzung der Dokumentation des Nachrichtensenders Al Jazeera mit dem Titel ‚The Devil Within‘ in der Reihe ‚People and Power‘, September 2008

Deutsche Übersetzung der Dokumentation des Nachrichtensenders Al Jazeera mit dem Titel’The Devil Within‘ in der Reihe ‚People and Power‘, September 2008

Hallo und Willkommen!

Der Dalai Lama wird von seinem Volk als Held verehrt und ist weltweit für seine friedliche Philosophie respektiert. Aber eine ganze Anzahl von buddhistischen Exiltibetern, die in Indien leben, glauben nicht mehr an seine Führung. Sie beschuldigen ihn der religiösen Diskriminierung.

Im Mittelpunkt des Konfliktes steht die buddhistische Gottheit Shugden. Von den einen als Gottheit betrachtet und von anderen als Dämon.

Der Dalai Lama hat die Verehrung von Shugden verboten. Im Mai [2008] wurden 400 Mönche aufgrund ihres religiösen Glaubens aus den Klöstern geworfen und Shugden-Anhänger werden von anderen tibetischen Buddhisten verstoßen.

Auf den Straßen des tibetischen Flüchtlingscamps in Bylakuppe in Südindien, ist Delek Tong, ein buddhistischer Mönch der Shugden verehrt, nicht mehr willkommen.

Delek Tong: „Schaut Euch dieses Schild an, es heißt: ‚Shugden-Verehrer haben keinen Zutritt’“.

„Hallo, ich verehre Shugden, darf ich hereinkommen?“

Verkäuferin: „Nein, es tut mir leid, ich will weder Dich noch irgendwelche Shugdens in meinem Laden.“

Der Dalai Lama hat die tibetische Gemeinde aufgefordert, die Verehrung der 400 Jahre alten Gottheit Shugden aufzugeben.

Delek Tong: „Als Du dem Rat des Dalai Lama gefolgt bist, hast Du damit nicht vergessen, dass wir Shugden-Verehrer ebenfalls Tibeter wie Du sind?“

In der Praxis heißt das, dass Delek Tong diesen Laden aufgrund seines religiösen Glaubens nicht betreten darf.

Verkäuferin: „Ich habe einen Schwur abgelegt und ich will nichts mit den Shugden-Leuten zu tun haben, die der tibetischen Sache schaden. Ich werde nicht alles tun, was [der Dalai Lama] sagt, aber er sagt die Wahrheit. Ich bin nicht jemand, der einfach blind jemandem glaubt. Ich glaube jemandem, der die Wahrheit sagt. Hier sagt der Dalai Lama immer die Wahrheit.“

Anderer Mönch: „Was denkst Du was Du machst? Schämst Du Dich nicht? Wir sind beide Tibetische Mönche. Der Dalai Lama ist unser einziger Beschützer.“

Delek Tong: „Ich verstoße nicht gegen die Unterweisungen Buddhas.“

Anderer Mönch: „Du hast hier nichts zu suchen. Es gibt bestimmte Regeln bei der Verehrung von Gottheiten. Wenn Du es nicht richtig machst, wird Deine Gottheit der Teufel.“

Für die einen ist Shugden eine Gottheit, die vor Schaden schützt. Für die anderen, die den Unterweisungen des Dalai Lama folgen, ist Shugden einfach ein Geist, der Böses bringt.

Anderer Mann: „Dies ist eine heikle Sache. Filmen ist nicht verboten, aber diese Shugden-Leute zu filmen kann eine Menge Probleme machen. Seid vorsichtig, was ihr vor der Kamera sagt. Wir haben kritische Zeiten. Könnt Ihr bitte aufhören [zu filmen]. Sonst zerschlage ich diese Kamera. Ich habe gesagt, ich lehne dies ab, und ihr macht immer noch weiter Bilder.“

Diese Gottheit steht jetzt im Mittelpunkt der Kontroverse. Einerseits will der Dalai Lama sie verbieten; andererseits gibt es weltweit etwa 4 Millionen Menschen, die Dorje Shugden verehren.

Gemäß der buddhistischen Tradition kam ein verstorbener Mönch als Geist zurück und wurde vom 5. Dalai Lama zur Gottheit erklärt. Seither wurde Shugden als Beschützer-Gottheit verehrt.

Die Verehrung von Shugden ist ein heikles Thema, das in der tibetischen Exilgemeinde Spannungen verursacht. Im Januar dieses Jahres [2008] hat der Dalai Lama sein Volk aufgefordert mit der  Verehrung dieser 400 Jahre alten Gottheit aufzuhören, um die Spannungen zu beenden.

Dalai Lama: „Ich selbst habe Shugden verehrt. Der Geist hat mich sehr gerne gehabt. Ich habe aber erkannt, dass es ein Fehler war. Deshalb habe ich aufgehört. Vor kurzem haben Klöster furchtlos Shugden-Mönche ausgestoßen, wo es nötig war. Ich unterstütze diese Handlungen voll und ganz. Ich lobe sie. Wenn es Klöstern schwerfällt, Maßnahmen zu ergreifen, sagt ihnen, der Dalai Lama ist dafür verantwortlich. Die Shugden-Anhänger sind dazu übergegangen zu töten und zu schlagen. Sie legen Feuer. Und erzählen endlose Lügen. Das ist es, woran die Shugdens glauben. Das ist nicht gut.“

Für Mai und ihre Familie bleibt Shugden ein Beschützer. Ihre Familie hat diese Gottheit seit Generationen verehrt. Weil sie die Regelung des Dalai Lamas abgelehnt haben, sind sie aus ihrer Gemeinde ausgestoßen worden.

„Sie haben für uns gesonderte Regeln gemacht. Sie sagen, niemand darf mit uns sprechen. Und niemand sollte irgendwelchen Kontakt mit uns haben.“

„Wenn er [Dalai Lama] wirklich ein Buddha ist, wenn er wirklich eine Gottheit ist, würde er nicht solche Probleme machen. Er würde uns nicht solche Schwierigkeiten machen. Wenn er der Buddha ist, würde er keinem Menschen irgendwelche Probleme machen.“

„Der Dalai Lama ist unfair und eigensüchtig. Er folgt nur seinen eigenen Wünschen.“

Die Entscheidung, die Verehrung von Shugden zu verbieten, wurde hier in Dharamsala getroffen. Seit 1960 gibt es 46 Parlamentsabgeordnete, die hier arbeiten um die Angelegenheiten Tibets und der hier lebenden Flüchtlinge zu entscheiden. Dies ist das Herz der tibetischen Demokratie.

Reporter: „Haben Sie über Shugden im Parlament debattiert?“

Tsultrim Tenzin (Abgeordneter des Parlamentes): „Es gab keine Streitpunkte. Es gab keine Streitpunkte. Wenn es eine Opposition gibt, dann gibt es Streitpunkte, aber es gibt keine Opposition. Wir haben keine Zweifel über die Entscheidungen des Dalai Lama. Wir denken nicht, dass er ein menschliches Wesen ist. Er ist ein überirdisches Wesen und er ist eine Gottheit. Er ist Avalokiteshvara. Er hat keine Eigeninteressen. Er denkt immer an andere. Alle sind glücklich. In unserem System sind alle glücklich, weil es volle Demokratie gibt. Jeder darf zum Ausdruck bringen, was immer er möchte.“

Warum werden also Shugden-Leute in der Gemeinschaft diskriminiert? Wir haben den Premierminister gefragt, was er über die Schilder denkt, die an den Läden angebracht sind.

Samdhong Rinpoche, tibetischer Premierminister (liest das Schild): „Das ist wahr, ‚Personen, welche die Verehrung des Geistwesens nicht aufgegeben haben, kommen bitte nicht in dieses Geschäft‘. Das ist sehr klar. Warum sollten sie dann in dieses Geschäft gehen? Das ist unfair von ihnen. Viele Shugden-Verehrer werden Terroristen und sind bereit jeden zu töten. Sie sind bereit jeden zu schlagen. Es ist sehr klar, dass es jetzt Leute gibt die Shugden verehren und der Führung der VR China sehr nahe stehen. Das ist klar.“

Mit der VR China in Verbindung zu stehen ist die schlimmste Form des Hochverrats in den Augen der tibetischen Exilregierung.

Kein Shugden-Verehrer ist jemals aufgrund von Terrorismus angeklagt oder auch nur untersucht worden, aber dennoch leben die Mönche, die weiterhin Shugden verehren, als unschuldige Opfer in Schimpf und Schande.

Delek Tong: „Auf den Plakaten heißt es, dass wir Beziehungen zur chinesischen Regierung haben. Wir haben nichts mit China zu tun. Es gibt keinerlei Beweise, aber dennoch belästigen und bedrohen uns viele Leute.“

Aus Furcht um ihr Leben, haben sich diese Shugden-Mönche in einem Kloster in Südindien versteckt, wo sie Zuflucht gesucht haben, nachdem sie aus ihrem Kloster verwiesen wurden.

Jetzt haben diese Mönche, die hier in Indien leben, die Angelegenheit in ihre eigenen Hände genommen. Sie haben beschlossen, den Dalai Lama vor Gericht zu bringen, mit der Anklage, er verletze ihre Religionsfreiheit.

Thubten unterstützt eine Kampagne, um Belege für religiöse Diskriminierung zu sammeln.

Thubten: „Warum ich hier bin? – ich arbeite sehr hart für die Religionsfreiheit. Ich kämpfe für Religionsfreiheit, deshalb bin ich hier. Es gibt hier keine Chance für Religionsfreiheit. Wenn Du gegen die tibetische Exilregierung um Religionsfreiheit kämpfst, dann werden automatisch Plakate mit Deinem Bild aufgehängt und jeder sagt: ‚Sprich nicht mit ihnen. Höre nicht auf sie‘. Deshalb haben wir keine Chance der Welt unsere Wahrheit mitzuteilen.“

Mit der Hilfe des Rebellenmönches Kundeling Rinpoche bringen sie den berühmtesten ehemaligen Shugden-Verehrer – den Dalai Lama selbst – vor Gericht.

Kundeling Rinpoche: „Es gibt keine Demokratie. Der Mann, der Dalai Lama, redet über Demokratie, redet über Mitgefühl, redet über Dialoge, redet über Verständnis, redet über Lösungen, aber für uns gibt es keine Lösung. Gibt es keinen Dialog, gibt es kein Verständnis, gibt es kein Mitgefühl, denn in seiner Wahrnehmung sind wir keine Menschen. Wir sind nur böse. Wir sind böse und sind chinesische Agenten. Genau das ist der Fall. So einfach ist das.“

Nur wenige Tage vor der Anhörung des Dalai Lama vor dem Obersten Gericht, treffen sich Kundeling und Thubten mit ihrem Anwalt. [Der Gerichtstermin wurde auf Antrag des Dalai Lama vertagt und steht noch aus].

Shree Sanjay Jain: „Es ist mit Sicherheit ein Fall von religiöser Diskriminierung, in der Hinsicht, wenn sie innerhalb ihrer religiösen Sekte sagen, dass diese spezifische Gottheit nicht verehrt werden soll, und versucht wird, die Personen, die den Wunsch haben sie zu verehren, aus dem Hauptstrom des Buddhismus zu exkommunizieren, dann ist dies eine Diskriminierung der schlimmsten Art.“

Ganz gleich, wie dieses Gerichtsverfahren ausgeht – in einem Land in dem Millionen von Gottheiten verehrt werden, zu versuchen eine Gottheit zu verbieten ist eine verlorene Schlacht. Eine Schlacht, in der viele buddhistische Mönche ihr Vertrauen in den Dalai Lama verloren haben.

Anfang dieses Monats haben die Anwälte des Dalai Lamas eine dreimonatige Vertagung des Falles mit der Begründung seiner Krankheit beantragt. Die Anhörung wird am 9. Dezember sein, und wir werden weiter darüber berichten.

Die Natur und Funktion des Dharma-Beschützers Dorje Shugdän

Die Natur und Funktion des Dharma-Beschützers Dorje Shugdän

Im nächsten Teil der Erklärungen über den Weisheitsbuddha Dorje Shugden, können Sie über seine Natur und Funktion lesen. Wiederum stellt dies klar, was für eine reine und nutzbringende Praxis die Verehrung dieses Beschützers ist. Seit dem 17. Jahrhundert wurde er als erleuchtetes Wesen verehrt, um die innere spirituelle Entwicklung zu schützen und zu fördern.

Lesen Sie über  “Die Natur und Funktion des Dharma-Beschützers Dorje Shugdän” aus dem Buch ‘Herzjuwel’ (Tharpa Verlag, Zürich, Berlin)

DIE NATUR UND FUNKTION DES DHARMA-BESCHÜTZERS DORJE SHUGDÄN

Dorje Shugdän und die Gottheiten seines Mandalas besitzen die gleiche Natur wie die Gottheiten des Körper-Mandalas von Lama Losang Tubwang Dorjechang, der in seiner Essenz Je Tsongkhapa ist. Nach Je Tsongkhapas Tod hatte Khädrubje fünf Visionen von ihm, wobei er jedesmal in einem anderen Aspekt erschien. Später sah der große Yogi Dharmavajra Je Tsongkhapa im Aspekt von Lama Losang Tubwang Dorje­chang. Diesen Namen erhielt Je Tsongkhapa von Manjushri. Er weist darauf hin, daß Je Tsongkhapa sowohl die Ver­körperung von Eroberer Vajradhara als auch von Buddha Shakyamuni ist. «Losang Dragpa» ist Je Tsongkhapas Ordinationsname, «Tubwang» oder «Machtvoller Befähigter» ist ein Beiname Buddha Shakyamunis, und «Dorjechang» ist der tibetische Name Vajradharas. Lama Losang Tubwang Dorje­chang ist ein erleuchtetes Wesen und das wichtigste Feld für die Ansammlung von Verdiensten im Guru-Yoga der Darbringung an den Spirituellen Meister oder Lama Chöpa.

In Wirklichkeit stammt die Lama-Chöpa-Unterweisung aus Manjushris Emanationsschrift, worin besondere Anweisungen über Mahamudra enthalten sind. Die Emanationsschrift – sie kann von gewöhnlichen Wesen nicht gelesen werden – wurde Je Tsongkhapa direkt durch Manjushri enthüllt. Sie wurde dem jeweils folgenden Überlieferungslinien-Guru weitergegeben, und als sie den Ersten Panchen Lama, Losang Chökyi Gyaltsän, erreichte, entnahm er ihr die Unterweisungen über Lama Chöpa und den Urtext des Mahamudra, den Hauptpfad der Eroberer und schrieb sie in tibetischer Sprache nieder. Dies war ein Akt großer Güte, denn dadurch konnten gewöhnliche Wesen zum ersten Mal Lama Chöpa und die außergewöhnliche nahe Überlieferungslinie des Vajrayana-Mahamudra lesen und praktizieren. Der Guru-Yoga der Lama Chöpa ist eine der gesegnetesten Formen der Praxis innerhalb Je Tsongkhapas Tradition, da er die essentielle vorbereitende Praxis für Vajrayana-Mahamudra ist. Ein umfassender Kommentar zu dieser Praxis ist im Buch Große Schatzkammer der Verdienste enthalten.

Es gibt zweiunddreißig Gottheiten im Körper-Mandala Lama Losang Tubwang Dorjechangs, und diese Gottheiten manifestieren sich als die zweiunddreißig Gottheiten in Dorje Shugdäns Mandala. Dies erklärt Je Phabongkhapa, eine Ausstrahlung Herukas, in seinem Gebet an Dorje Shugdän:

Die Anhäufungen, Elemente, Quellen und Glieder Lama Losang Tubwang Dorjechangs
Erscheinen im Aspekt der Fünf Linien Dorje Shugdäns und seines Gefolges.
Mit der Erkenntnis, daß ich in Wirklichkeit den Yoga der zweiunddreißig Gottheiten des Körper-Mandalas praktiziere,
Bringe ich Euch diese Praxis dar, o Fünf Linien Dorje Shugdäns; bitte nehmt sie voller Freude an.

Der Zusammenhang zwischen den zweiunddreißig Gottheiten von Dorje Shugdäns Mandala und den Gottheiten von Lama Losang Tubwang Dorjechangs Körper-Mandala ist in Anhang II in einer Tabelle dargestellt.

Duldzin Dorje Shugdän ist die Hauptgottheit unter den Gottheiten der Fünf Linien Dorje Shugdäns. Er ist eine Mani­festation der Anhäufung des Bewußtseins von Lama Losang Tubwang Dorjechang. Vairochana Shugdän ist eine Manife­station der Anhäufung der Form von Lama Losang Tubwang Dorjechang, Ratna Shugdän ist eine Manifestation seiner Anhäufung des Gefühls, Päma Shugdän ist eine Manifestation seiner Anhäufung der Unterscheidung und Karma Shugdän ist eine Manifestation seiner Anhäufung der zusammensetzenden Faktoren.

In vielen Sadhanas Dorje Shugdäns heißt es, daß Dorje Shugdän die Verkörperung des «Gurus, Yidams und Beschüt­zers» ist. «Guru» bezieht sich in diesem Fall ausdrücklich auf Lama Tsongkhapa. Wenn wir also das Sadhana Dorje Shugdäns praktizieren, praktizieren wir indirekt sowohl den Guru-Yoga von Je Tsongkhapa als auch die Praxis von Yamantaka und Kalarupa. Atisha sagte: «Ihr Tibeter verlaßt euch auf Hunderte von Gottheiten, erzielt aber keine einzige Erlangung, während wir indischen Buddhisten uns nur auf eine Gottheit verlassen und die Erlangungen und die Segnungen von Hunderten von Gottheiten erhalten.» Wir sollten Atishas Bemerkung nicht vergessen und erkennen, daß es wesentlich sinnvoller ist, nur eine Gottheit aufrichtig zu praktizieren und diese Gottheit als die Synthese aller Gottheiten zu betrachten, als viele Gottheiten oberflächlich zu praktizieren.

Manche glauben, daß Dorje Shugdän eine Ausstrahlung Manjushris ist, der sich im Aspekt eines weltlichen Wesens zeigt. Dies ist aber falsch. Sogar Dorje Shugdäns Form enthüllt die vollständigen Stufen des Pfades von Sutra und Tantra. Die Formen weltlicher Wesen besitzen keine solchen Qualitäten. Dorje Shugdän erscheint als vollordinierter Mönch, um zu zeigen, daß die Praxis reiner moralischer Disziplin essentiell ist für diejenigen, die Erleuchtung erlangen möchten. In seiner linken Hand hält er ein Herz. Es symbolisiert Großes Mitgefühl und spontane Große Glückseligkeit, die Essenz aller Stufen des weiten Pfades von Sutra und Tantra. Sein runder, gelber Hut steht für die Sichtweise Nagarjunas, und das Weisheitsschwert in seiner rechten Hand lehrt uns, Unwissenheit, die Wurzel Samsaras, mit der scharfen Klinge der Sichtweise Nagarjunas zu durchschneiden. Dies ist die Essenz aller Stufen des tiefgründigen Pfades von Sutra und Tantra.

Dorje Shugdän reitet einen Schneelöwen, das Symbol der Vier Furchtlosigkeiten eines Buddhas. Ein juwelenspeiender Mungo sitzt auf seinem linken Arm. Er symbolisiert Dorje Shugdäns Macht, all denjenigen Reichtum zu gewähren, die ihm vertrauen. Das einzelne Auge in der Mitte seiner Stirn symbolisiert seine allwissende Weisheit, die alle vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Phänomene gleichzeitig und direkt wahrnimmt. Sein zornvoller Ausdruck weist darauf hin, daß er Unwissenheit, den wirklichen Feind aller Lebewesen, zerstört, indem er sie mit großer Weisheit segnet, und zudem, daß er die Hindernisse reiner Dharma-Praktizierender zerstört.

Jede der zweiunddreißig Gottheiten von Dorje Shugdäns Mandala hat eine besondere Funktion. Sie werden in einem Gebet erklärt, das Sachen Kunlo, einer der großen Sakya-Lamas, geschrieben hat. Darin erläutert er, daß die Funktion Duldzin Dorje Shugdäns – der Hauptgottheit des Mandalas – darin besteht, vertrauensvolle Anhänger durch das Gewähren großer Weisheit auf richtige spirituelle Pfade zu führen; die Funktion Vairochana Shugdäns besteht darin, uns zu hel­fen, negatives Karma und Hindernisse zu überwinden; die Funktion Ratna Shugdäns besteht darin, unser Glück, unsere Lebensspanne und unsere tugendhaften Realisationen zu vergrößern; die Funktion Päma Shugdäns besteht darin, uns zu helfen, unseren eigenen Geist zu kontrollieren, um anderen helfen zu können, kontrollierte, ruhige und friedvolle Geisteszustände zu erreichen; und die Funktion Karma Shugdäns besteht darin, die vier Maras und böse Geister zu überwinden, die versuchen, vertrauensvollen Schülern zu schaden. Die Neun Großen Mütter helfen den treuen Anhängern Dorje Shugdäns in ihrer tantrischen Praxis, die Acht Vollordinierten Mönche helfen ihnen in ihrer Sutra-Praxis, und die Zehn Zornvollen Gottheiten helfen ihnen bei den verschiedenen täglichen Verrichtungen. In diesen spirituell degenerierten Zeiten stoßen Dharma-Praktizierende auf viele Hindernisse. Wenn wir uns aber mit unerschütterlichem Vertrauen auf Dorje Shugdän verlassen, wird er für uns sorgen wie ein Vater für seine Kinder.

Im allgemeinen müssen alle Dharma-Praktizierenden unerschütterliches Vertrauen in Buddha Shakyamuni entwickeln, denn ohne dieses Vertrauen wird ihre Dharma-Praxis wenig Kraft haben und nur kleine Erfolge bringen. Insbesondere müssen alle Gelugpa-Praktizierenden ein festes und dauerhaftes Vertrauen in Je Tsongkhapa entwickeln, da sie andernfalls niemals die einzigartigen Qualitäten seiner Lehre erfahren werden. Vertrauen ist die eigentliche Wurzel jeder Dharma-Erfahrung. Gelugpa-Praktizierende, die aufrichtiges Vertrauen in Dorje Shugdän haben, werden ohne Schwierigkeiten unerschütterliches Vertrauen in Je Tsongkhapa erzeugen können. Ihre Praxis der Sichtweise, der Meditation und der Handlung wird ganz natürlich rein werden, und sie werden leicht die besonderen, außergewöhnlichen Qualitäten von Je Tsongkhapas Unterweisungen erkennen. Somit werden sie ohne Schwierigkeiten Erfahrungen der beiden Stufen des Pfades, sowohl von Sutra als auch von Tantra, gewinnen können.

DER NUTZEN, SICH AUF DORJE SHUGDÄN ZU VERLASSEN

Erkennen wir die Natur und Funktion Dorje Shugdäns klar, können wir den Nutzen verstehen, den wir haben, wenn wir uns auf ihn verlassen. Dorje Shugdän hilft, führt und beschützt reine und vertrauensvolle Praktizierende ohne Unterlaß, indem er ihnen Segnungen gewährt, ihre Weisheit vergrößert, ihre Wünsche erfüllt und allen ihren tugend­haften Tätigkeiten zum Erfolg verhilft. Dorje Shugdän hilft nicht nur Gelugpas. Da er ein Buddha ist, hilft er allen Lebewesen, auch den Nichtbuddhisten. Die Sonne nützt auch den Blinden, gibt ihnen Wärme und läßt die Früchte heranreifen, die zu ihrer Nahrung werden. Wieviel offensichtlicher wäre aber der Nutzen der Sonne für sie, wenn sie die Sehkraft erlangen würden! Genauso beschützt Dorje Shugdän selbst diejenigen, die sich nicht bemühen, sich auf ihn zu verlassen. Öffnen sich jedoch unsere Augen des Vertrauens und verlassen wir uns aufrichtig auf ihn, so werden wir uns allmählich der Hilfe bewußter, die wir von ihm empfangen. Wollen wir aufrichtig den Nutzen erfahren, den wir gewinnen, wenn wir uns auf Dorje Shugdän verlassen, müssen wir uns über eine lange Zeit beständig auf ihn verlassen und unsere Verbindung zu ihm stetig verbessern. Auf diese Weise werden wir beginnen, seinen nutzbringenden Einfluß in unserem Leben wahrzunehmen.

Wir sollten verstehen, daß die Hauptfunktion eines Dharma-Beschützers darin besteht, unsere Dharma-Praxis zu beschützen, und nicht darin, uns in weltlichen Angele­genheiten behilflich zu sein. Mit diesem Verständnis sollten wir uns nicht entmutigen lassen, wenn wir nicht sofort sehr reich werden, da Reichtum für die spirituelle Praxis nicht unbedingt hilfreich ist und eine große Ablenkung sein kann. Verlassen wir uns aufrichtig auf Dorje Shugdän, wird er für die Bedingungen sorgen, die für unsere Dharma-Praxis am förderlichsten sind. Diese werden jedoch nicht notwendigerweise diejenigen sein, die wir selbst gewählt hätten! Dorje Shugdän wird unseren Geist segnen, um uns zu helfen, schwierige Situationen in den spirituellen Pfad umzuwandeln. Er wird die Augen der Weisheit seiner getreuen Anhänger öffnen und sie dadurch befähigen, stets die richtigen Entscheidungen zu treffen. Mögen diejenigen, die ihr Vertrauen auf ihn setzen, physisch gesehen auch allein sein, innerlich werden sie niemals von einem machtvollen Verbündeten und einem weisen und mitfühlenden Führer getrennt sein.

Ein Lama namens Gyara Tulku Rinpoche vom Kloster Drepung Loseling schrieb ein Gebet an Dorje Shugdän, in dem er seiner Dankbarkeit Ausdruck verlieh. In diesem Gebet sagt er:

Als erstes gabst Du mir einen hoch qualifizierten Spirituellen Meister,
Unter dessen Obhut ich Dharma studierte und praktizierte.
Wenn ich durch das Befolgen irreführender Ratschläge Gefahr lief, falsche Pfade zu betreten,
Hast Du mich sofort auf den richtigen Pfad zurückgeholt.

Dieser Lama verbrachte viele Jahre in einem Land, dessen Sprache er nicht sprach und wo äußerst schwere Bedingungen herrschten. Er gewann jedoch hohes Ansehen, und viele Menschen baten um seinen weisen Rat. Er erkannte, daß sein gesamter spiritueller Fortschritt, sein Glück, seine Gesundheit und sein Erfolg von Dorje Shugdän und nicht von ihm selbst stammten. Im gleichen Gebet schrieb er:

O Duldzin, König des Dharmas, ich danke Dir für Deine Güte.
Dein Körper ist die Synthese aller Sangha-Juwelen,
Deine Rede ist die Synthese aller Dharma-Juwelen,
Und Dein Geist ist die Synthese aller Buddha-Juwelen.


Mit freundlicher Genehmigung des Tharpa Verlages aus ‘Herzjuwel’ von Geshe Kelsang Gyatso

Warum wird der Beschützer Dorje Shugden von seinen Anhängern als Ausstrahlung des Weisheitsbuddhas Manjushri gesehen?

Sie berufen sich darauf, dass Manjushri sich immer wieder im Aspekt hoch verwirklichter Meister manifestiert hat, wie z. B. dem indischen Mahasiddha Biwawa, dem tibetischen Meister Sakya Pandita usw. Die Inkarnationslinie geht bis zu Tulku Dragpa Gyaltsän, der schliesslich gemäss seiner Prophezeiung als Beschützer Dorje Shugden erschien.

Da alle früheren Meister in Wirklichkeit Manjushri selbst waren, folgt daraus, dass auch Dorje Shugden Manjushri ist. Diese Logik ist simple und schlüssig. Folglich verehren die Dorje Shugden Praktizierenden seit Jahrhunderten den Weisheitsbuddha Manjushri, der als Beschützer erscheint.

Lesen Sie über  “Frühere Inkarnationen des Dharma-Beschützers” aus dem Buch ‘Herzjuwel’ (Tharpa Verlag, Zürich, Berlin)

Teil 1 (Teil 2 folgt in Kürze)

DIE FRÜHEREN INKARNATIONEN DORJE SHUGDÄNS

Der hoch verwirklichte Meister Tagpo Kelsang Khädrub Rinpoche verfaßte die zwei folgenden Verse über Dorje Shugdän:

Mit tiefem Vertrauen verbeuge ich mich vor Dir, Vajradhara Dorje Shugdän.
Obwohl Du bereits die Buddha-Ebene erlangt hast
Und die siebenundzwanzig Taten eines Buddhas ausführst,
Erscheinst Du in verschiedenen Formen, um dem Buddhadharma und fühlenden Wesen zu helfen.

Du hast Dich in verschiedenen Aspekten manifestiert,
Als indische und tibetische Meister,
Wie beispielsweise Manjushri, Mahasiddha Biwawa, Sakya Pandita,
Butön Rinchen Drub, Duldzin Dragpa Gyaltsän, Panchen Sönam Dragpa und viele andere.

Die Bedeutung des ersten Verses ist recht klar. Die siebenundzwanzig Taten eines Buddhas sind in den Sutras der Vollkommenheit der Weisheit und im achten Kapitel des Ornaments für klare Verwirklichungen von Maitreya erklärt. Diese siebenundzwanzig Taten beinhalten, wie den fühlenden Wesen das Betreten des spirituelle Pfades zur Befreiung gezeigt wird bis zur Hinführung der fühlenden Wesen zur endgültigen Erlangung der Buddhaschaft. Da Dorje Shugdän alle diese siebenundzwanzig Taten ausführt, ist es klar, daß er ein Buddha ist.

Um Lebewesen auf dem spirituellen Pfad zu führen, mani­festiert sich Dorje Shugdän in vielen verschiedenen Aspekten. Manchmal erscheint er in einem friedvollen Aspekt, manchmal in einem zornvollen, manchmal als Ordinierter, manchmal als Laie, manchmal als Bodhisattva, manchmal als Hinayana-Buddhist, manchmal als Nichtbuddhist oder sogar als nichtmenschliches Wesen. Da es so viele verschiedene Ausstrahlungen der Buddhas gibt, ist es schwierig zu sagen, wer eine Ausstrahlung ist und wer nicht. Die einzige Person, bei der wir diesbezüglich sicher sein können, sind wir selbst. Wir wissen, ob wir ein fühlendes Wesen oder ein Buddha sind. Von anderen wissen wir es aber nicht.

Jeder Buddha hat die Fähigkeit, so viele Ausstrahlungen zu manifestieren, wie es Lebewesen gibt. Diese Fähigkeit ist notwendig, da Buddhas nicht in der Lage wären, allen Lebe­wesen entsprechend ihren verschiedenen Bedürfnissen zu helfen, wenn sie nur in einer Form ohne Ausstrahlungen bleiben würden. Folglich, wenn wir uns weigern zu glauben, daß ein Buddha viele verschiedene Ausstrahlungen haben kann, halten wir indirekt an der falschen Sichtweise fest, zu leugnen, daß Buddhas allen Lebewesen helfen können. Im Sutra der Begegnung von Vater und Sohn sagt Buddha Shakyamuni:

Buddhas zeigen sich in vielen verschiedenen Aspekten, wie zum Beispiel als Brahma, Indra und manchmal sogar als Mara oder böse Person, aber weltliche Menschen erkennen diese Ausstrahlungen nicht.

Buddhas können sich sogar als unbelebte Objekte ausstrahlen. Einst reiste der große indische Meister Phadampa Sangye nach Tibet. Als Milarepa vom Besuch dieses großen Yogis hörte, entschloß er sich, dessen Realisationen zu prüfen. Er ging zur Grenze und wartete auf Phadampa Sangyes Ankunft. Als er ihn näherkommen sah, verwandelte er sich in eine Blume, um zu prüfen, ob Phadampa Sangye die Hellsicht besaß, seine Tarnung zu durchschauen. Phadampa Sangye ging jedoch einfach an Milarepa vorbei, scheinbar ohne dessen Gegenwart zu bemerken. Milarepa dachte: «Dieser sogenannte Yogi hat keine Hellsicht», worauf sich Phadampa Sangye umdrehte, gegen die Blume trat und sagte: «Steh auf Milarepa!» Milarepa war erfreut festzustellen, daß Phadampa Sangye tatsächlich ein wahrhaft verwirklichtes Wesen war. Er sprang in seiner normalen Form auf und begrüßte ihn.

Wie Tagpo Kelsang Khädrub Rinpoche sagte, hat sich Dorje Shugdän in vielen verschiedenen Formen gezeigt, um den Lebewesen zu helfen. Nun folgt eine kurze Darstellung jeder der vergangenen Inkarnationen Dorje Shugdäns, die im oben zitierten Vers erwähnt wurde.

MANJUSHRI

Zur Zeit Buddha Shakyamunis erschien Dorje Shugdän als Bodhisattva Manjushri, einer der Hauptschüler Buddhas. In Wirklichkeit hatte Manjushri bereits in einem früheren Zeitalter, lange vor der Zeit Buddha Shakyamunis, die volle Erleuchtung erlangt. Im Sutra der Enthüllung des Bereiches von Manjushri erklärt Buddha, daß Manjushri in ferner Vergangenheit den Bodhisattva-Pfad vollendet und in seinem Reinen Land als Buddha namens «Tathagata Lampe der Nagas» die Erleuchtung erlangt hatte. Im selben Sutra beschreibt Buddha auch die vielen verschiedenen Buddha-Länder Manjushris und wie Manjushri in zahllosen Ausstrahlungen erscheint, um fühlenden Wesen zu helfen.

Zwar zeigte sich Manjushri im Aspekt eines Schülers von Buddha, dennoch hatte er große Macht, fühlenden Wesen zu helfen. Manchmal kamen Menschen auf der Suche nach Hilfe und Rat zu Buddha, aber Buddha verwies sie an Manjushri, da sie eine stärkere karmische Verbindung zu ihm hatten. Einige hatten eine solch starke Verbindung mit Manjushri, daß sie durch seinen Segen und sein Geschick in der Lage waren, nahezu ohne eigene Anstrengung sehr kraft­volle Realisationen zu entwickeln.

So jemand war König Ajatashatru. Ajatashatru hatte zwei besonders negative Handlungen begangen. Er hatte seinen Vater getötet und eine vollordinierte Nonne vergewaltigt, die außerdem ein Höheres Wesen war. Die Folgen solcher Handlungen sind entsetzlich. In den Vinaya-Sutras werden solche Handlungen «Handlungen sofortiger Vergeltung» genannt, denn, wer auch immer sie begeht, wird sofort nach dem Tod mit Sicherheit in einem Höllenbereich wiedergeboren. Den Vinaya-Sutras zufolge ist es unmöglich, solch eine Wiedergeburt zu verhindern, doch es besteht eine Möglichkeit, ihre Dauer zu verkürzen. Gemäß den Mahayana-Sutras können diese schweren negativen Handlungen jedoch gereinigt werden, wenn die korrekten Gegenmittel in reiner Form angewendet werden.

König Ajatashatru entwickelte starkes Bedauern für seine negativen Handlungen und bat Buddha, ihm eine besondere Methode zu geben, sie zu reinigen. Buddha lehrte das Sutra für die Beseitigung von Ajatashatrus Bedauern und legte dem König dann nahe, den Bodhisattva Manjushri um Hilfe zu ersuchen. Sobald Ajatashatru diesen Ratschlag hörte, entwickelte er starkes Vertrauen in Manjushri. Er lud Manjushri zu einem Festmahl in sein Haus ein. Nach dem Mahl stand er auf, um Manjushri einen sehr teuren Umhang darzubringen. Aber in dem Moment, als er das Gewand anbot, verschwand Manjushri. Der König stand verwundert da: «Wer ist Manjushri? Wo ist Manjushri?» Durch diese Gedanken erkannte er, daß er keinen wirklichen, wahrhaft existierenden Manjushri finden konnte, und kam dem Verständnis der Leer-heit sehr nahe. Da Manjushri verschwunden war, entschloß sich der König, den Umhang selbst anzuprobieren, aber als er ihn um seine Schultern legte, begann er die gleichen Fragen auf seine eigene Person bezogen zu stellen: «Wer bin ich? Wo bin ich? Wer ist der König? Wo ist der König?» Da er völlig außerstande war, ein wirkliches, wahrhaft existierendes Selbst oder einen wahrhaft existierenden König zu finden, erlangte er ein Verständnis der Leerheit. Dann begann er zu meditieren und erlangte schnell eine direkte Realisation der Leerheit und wurde ein Höheres Wesen auf dem Pfad des Sehens.

Den Hinayana-Unterweisungen zufolge kann eine Person, die eine der fünf Handlungen sofortiger Vergeltung begangen hat, nicht im selben Leben ein Höheres Wesen werden, aber die Mahayana-Sichtweise ist anders. Durch die Segnungen Manjushris konnte König Ajatashatru sein negatives Karma reinigen und den Pfad des Sehens erreichen. Manjushri vollbrachte viele solche besonderen Taten.

MAHASIDDHA BIWAWA

Später, um dem Buddhadharma zur Blüte zu verhelfen, wählte Manjushri eine Wiedergeburt als Mahasiddha Biwawa. Biwawa wurde in Indien, östlich von Bodh Gaya, geboren und trat in jungen Jahren in das Kloster Nalanda ein. Obwohl er eine Ausstrahlung Manjushris und demzufolge ein vollerleuchtetes Wesen war, studierte und praktizierte Biwawa Buddhas Lehren in Nalanda, um ein vollkommenes Beispiel zu geben, wie man den Pfad zur Befreiung und Erleuchtung praktizieren soll. Tagsüber studierte und meditierte er über die Sutra-Unterweisungen, und nachts praktizierte er die Yogas des Heruka-Tantras. Als Folge seiner reinen Praxis konnte er Vajrayogini und ihr Gefolge unmittelbar sehen. Jedesmal, wenn er Tsog-Darbringungen machte, kam Vajra­yogini in sein Zimmer zusammen mit fünfzehn anderen Dakinis, zu denen er eine besonders starke karmische Verbindung hatte, um am Fest teilzunehmen.

Unglücklicherweise konnten die anderen Mönche im Kloster Nalanda Vajrayogini und die Dakinis nicht erkennen, sondern sahen sie als gewöhnliche Frauen. Da die Mönche glaubten, daß er seine Ordinations-Gelübde breche, wurden sie ihm gegenüber sehr kritisch und gaben ihm den Spitznamen Biwawa, was «schlechter Mann» bedeutet. Ihrer Ansicht nach brachte Biwawas Verhalten das Kloster in Verruf, und so forderten sie ihn auf, dieses zu verlassen. Zwar hatte Biwawa niemals auch nur eines seiner Vinaya-Gelübde gebrochen, dennoch willigte er ein, Nalanda zu verlassen, und sagte: «Ja, ich bin ein schlechter Mann, ich werde gehen.» Er gab seine Roben zurück, zog sich Laienkleidung an und verließ das Kloster. Dann begann er wie ein armer, heimatloser Bettler von Ort zu Ort zu wandern.

Zuerst kam er in eine Gegend in der Nähe von Varanasi und lebte dort in einer Höhle tief im Wald. Das Land gehörte einem nichtbuddhistischen König, der einen großen Haß auf Buddhisten hatte. Eines Tages traf der König Biwawa und lud ihn in seinen Palast ein. Als er aber erfuhr, daß Biwawa ein Buddhist war, befahl er seinen Dienern, ihn zu töten. Zuerst versuchten die Diener, Biwawa zu ertränken; sie konnten ihn aber nicht hochheben, um ihn in den Fluß zu werfen. Dann versuchten sie, ihn lebendig zu begraben, aber am nächsten Tag erschien er wieder unversehrt. Schließlich versuchten sie, ihn zu verbrennen, aber wieder blieb er unverletzt. Als der König sah, daß sich Biwawa durch seine Wunderkräfte beschützen konnte, entwickelte er starkes Vertrauen in ihn und den Buddhadharma. Er und all seine Untertanen wurden buddhistische Praktizierende und Schüler Biwawas. Dies erfüllte eine Prophezeiung, die ein Astrologe bei Biwawas Geburt gemacht hatte und besagte, daß Biwawa sehr mächtig werden und durch die Vorführung seiner Wunderkräfte viele Menschen dazu bringen würde, den Pfad des Buddhadharmas zu betreten.

Einige Zeit später reiste Biwawa nach Süden zum Ganges. Als er am Fluß ankam, bat er einen Fährmann, ihn ans andere Ufer zu befördern, aber der Fährmann weigerte sich, da Biwawa kein Geld zur Begleichung der Schuld hatte. Biwawa verkündete: «Da dieser Fluß immerzu fließt, ist er vielleicht müde und möchte sich ein wenig ausruhen.» Er teilte das Wasser und ging hinüber zur anderen Seite. Der Fährmann war verblüfft und fragte Biwawa, wer er sei. Biwawa erzählte ihm ein wenig von seiner Lebensgeschichte, worauf der Fährmann großes Vertrauen in ihn entwickelte und ihn darum bat, sein Schüler zu werden. Biwawa nahm ihn als Schüler auf und gab ihm viele Unterweisungen. Der Fährmann praktizierte mit großem Fleiß und wurde schließ-lich ein hoch verwirklichter Yogi namens Drombi Heruka, einer der vierundachtzig Mahasiddhas.

Biwawa setzte seine Reise fort und erreichte eine Stadt. Dort rastete er in der örtlichen Gaststätte. Nachdem er einige Getränke zu sich genommen hatte, bat ihn die Wirtin zu bezahlen, aber Biwawa antwortete, daß er kein Geld habe. Die Wirtin wurde ärgerlich und drohte ihm: «Bis Sonnenuntergang mußt du bezahlt haben, sonst rufe ich die Ordnungshüter und lasse dich ins Gefängnis werfen!» Sofort benutzte Biwawa seine Wunderkräfte und hielt den Sonnenlauf an. Drei volle Tage hielt er die Sonne bewegungslos. Die Ortsbevölkerung war entgeistert und fragte sich, wie so etwas geschehen konnte. Schließlich baten sie den König um Hilfe. Als der König Biwawa fragte, was geschehen sei, antwortete Biwawa, daß er dafür verantwortlich sei, daß die Sonne nicht untergehe. «Wenn ich der Sonne erlaube unterzugehen, muß ich ins Gefängnis», erklärte er. Der König versicherte Biwawa, daß er weder seine Getränke bezahlen noch ins Gefängnis gehen müsse, wenn er nur die Sonne wieder untergehen ließe. Als Biwawa von seiner Begnadigung hörte, war er hoch erfreut und ließ augenblicklich die Sonne ihre Reise am Himmel fortsetzen!

Als Folge dieser außergewöhnlichen Taten entwickelten viele Menschen Vertrauen in Biwawa und den Buddhadharma. Auf diese Weise führte er viele Menschen auf den spirituellen Pfad. Als die Mönche in Nalanda von seinen Taten hörten, bedauerten sie sehr, daß sie ihn ausgestoßen hatten, und baten ihn, ins Kloster zurückzukehren, aber Biwawa lehnte ihre Einladung ab.

Mit freundlicher Genehmigung des Tharpa Verlages aus ‘Herzjuwel’ von Geshe Kelsang Gyatso

Teil 2 der Inkarnationslinie folgt in Kürze in diesem Blog

Weiterhin schwierige Situation für Shugden-Verehrer in Indien

Diesen Brief haben wir von einem Mönch und Dorje Shugden Verehrer aus Indien erhalten. Er zeigt, dass es nach wie vor offene und verdeckte systematische Diskriminierung gegenüber Shugden-Verehrern gibt. Der Dalai Lama und die Exilregierung setzen weiterhin ihr Bemühen fort, diese traditionelle Verehrung des Weisheitsbeschützers Dorje Shugden auszulöschen.

Auszüge aus einem Brief eines Mönches aus Indien, weitergeleitet von der Shugden Society, Delhi

“Aufgrund der jüngsten Aufstände in Tibet konnten keine Tibeter mehr ins Exil gelangen. Wenn sich die Lage wieder beruhigt, werden wieder Flüchtlinge nach Indien kommen, um schulische und monastische Ausbildung zu bekommen. Wenn sie in Nepal ankommen, wenden sie sich an das Tibetische Empfangszentrum dort, und später an die entsprechende Stelle in Dharamsala. Sie werden gefragt, ob sie Verehrer von Dorje Shugden sind oder nicht. Wenn jemand ein Verehrer von Dorje Shugden ist, erhält er keinen Empfehlungsbrief, um einem der Klöster in Indien beizutreten. Ohne solch einen Brief wird der Abt ihn nicht zulassen. Es ist bekannt, dass im Jahr 2008 16 Flüchtlinge grosse Probleme durch die tibetischen Büros in Kathmandu und Dharamsala hatten.

Viele Mönche haben Pomra [eine Abteilung des Klosters Sera Me in Südindien] verlassen, aber viele sind immer noch dort. Diejenigen, die Pomra verlassen haben, waren unter Druck und Angst. Sie hatten Angst, dass sie aus Indien deportiert werden. überall wurde verbreitet: “Die Shugden-Verehrer die nicht aufgeben, werden auf die Strasse geworfen.” Nicht nur das, im Namen einer Organisation namens Himalayan cultural Association wird sogar damit gedroht, sie ganz aus Indien zu vertreiben,

Die Mönche von Pomra haben keine Feindseligkeiten gegen andere Mönche. Es ist individuelle Freiheit, ob jemand [Shugden] praktizieren will oder nicht.

Gegenwärtig sind aufgrund der vielen Probleme im Kloster die Mönche beider Seiten nicht zufrieden. Sie wollen nicht im Kloster bleiben, deshalb haben viele das Kloster verlassen und sind nach Amerika oder Europa gegangen. Es gibt jetzt hunderte ehemaliger Mönche in New York und anderswo in den USA und Kanada, darunter auch Geshes. Sie arbeiten in Restaurants, Läden und Fabriken. Einige Mönche, die Glück haben, oder eine Verbindung mit einem buddhistischen Zentrum, haben die Möglichkeit Dharma zu unterrichten.

Pomra hat jetzt über 400 Mönche, davon leben etwa 200 ausserhalb. Die Mehrheit der Mönche sind Tibeter. Es gibt fast 100 Nepalis unter den Mönchen. Niemandem wurde gesagt sie sollten Shugden verehren. Sie sind in das Kloster gekommen, um Buddhismus zu studieren. Ihnen wird gelehrt, alle religiösen Glaubensrichtungen zu respektieren, und niemals schlecht über andere Glaubensrichtungen zu reden.

Niemand ist gegen den Dalai Lama; niemand hat Feindseligkeit gegenüber ihm, trotzt der Verfolgung und Diskriminierung, die seit über einem Jahrzehnt stattfindet.

Die Mönche in Sera und Ganden waren nicht glücklich über die Besuche des Dalai Lama. Jedesmal wenn er hier herkommt, wirbelt er die Shugden-Sache auf. Dann gibt es Probleme. Es gibt viele Mönche die nicht von Pomra sind und fragen: “Warum kommt der Dalai Lama so oft zu diesem Kloster?” Schon einen Monat bevor er kommt, erwarten die Leute etwas Schlimmes im Kloster. Der Dalai Lama kommt. Er wird die Situation mit Sicherheit schlimmer machen. Er nimmt seinen Besuch als Anlass, um für die weltweiten Proteste und das Verfahren vor dem Gericht in Delhi Vergeltung zu üben.

Der Dalai Lama sagt, dass er sich von politischer Verantwortung zurückzieht. Er ist aber immer noch das politische Oberhaupt und er wird es bleiben. Obwohl das Treffen hier ein öffentliches Treffen genannt wurde, werden sie schliesslich doch nur tun was der Dalai Lama will. Er hat nicht am gerade stattfindenden Treffen teilgenommen, um zu zeigen, dass er nicht involviert ist. Später werden wir den Beschluss sehen. Der Beschluss wird sein, dass die Mehrheit dem Vorgehen des Dalai Lama folgen will.

Gerade jetzt ist die Situation im Sera recht friedlich, aber dieser Frieden kann jederzeit zerstört werden. Shugden-Verehrer und diejenigen, die ihn nicht verehren leben getrennt. Ich glaube nicht, dass Shugden-Verehrern hier gestattet wird, friedlich zu leben.”